Ärzte Zeitung, 05.07.2006

Stehen die neuen Funkchips jetzt vor dem Durchbruch?

Industrie sieht hohes Wachstum bei RFID-Technik

BERLIN (dpa). RFID-Funketiketten stehen nach Expertensicht bei der industriellen Anwendung vor dem Durchbruch. Die für 2006 erwartete Wachstumsrate um 50 Prozent sei bereits im ersten Halbjahr erreicht worden, sagte der Chef des Informationsforums RFID, Michael ten Hompel, auf einer Fachtagung der Industrieverbände BDI und BITKOM sowie des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin.

Die Funkchips, die teilweise auch im Gesundheitswesen zum Einsatz kommen, haben jetzt nach Ansicht von Experten technisch ein neues Niveau erreicht. Neue Generationen von Chips und Antennen erhöhten die Zuverlässigkeit und senkten die Kosten.

Der Bund fördert die RFID-Entwicklung in diesem Jahr mit einem zweistelligen Millionenbetrag. Die Sorge von Verbraucherschützern, daß die im Handel eingesetzten Funkchips zu einem "gläsernen Kunden" führen könnten, hält die Regierung für unbegründet. Das aktuelle Datenschutzrecht sei für RFID ausreichend, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Peter Hintze. Es müsse alles dafür getan werden, Deutschlands weltweit führende Rolle bei RFID auszubauen.

Große Erwartungen werden in RFID bei Markenschutz, Lebensmittelsicherheit und Medikamenteneinsatz gesetzt. Den "Gammelfleisch"-Skandal oder verschwundene Patienten in Krankenhäusern hätte es mit RFID nicht gegeben, sagte der Vizepräsident des Branchenverbandes BITKOM, Heinz-Paul Bonn.

Nach einer Studie der Deutschen Bank wächst der Weltmarkt für RFID-Systeme (Hard- und Software, Dienstleistungen) von 2004 bis 2010 von 1,5 auf 22 Milliarden Euro. Bei den Investitionen in Europa führt Deutschland vor Großbritannien und Frankreich. Zu den RFID-Treibern zählen METRO, SAP, Siemens, T-Systems und die Post-Tochter DHL.

Herzstück des "Radio Frequency Identification"-Systems ist der in ein hauchdünnes Etikett integrierte Transponder, ein winziger Computerchip mit Antenne. Objekte können so ohne Berührung eindeutig identifiziert werden. Auf RFID-Chips lassen sich viele Informationen zu Produkten unterbringen. Eines Tages könnte damit beim Einkauf jeder einzelne Joghurt-Becher erfaßt und beim Verlassen des Supermarkts automatisch vom Konto abgebucht werden.

STICHWORT

RFID

RFID ist die Abkürzung für Radio Frequency Identification. Dabei geht es um die berührungslose Übertragung von Informationen per Funk über spezielle Chips. RFID-Chips werden mit einem kleinen Sender ausgestattet, der Daten, die zum Träger des Chips gehören, berührungslos an ein Empfangsgerät übertragen werden können. In Kliniken können zum Beispiel Patienten Armbänder mit RFID-Chips tragen. Der Chip kann dann etwa dazu beitragen, daß es bei Operationen nicht zu Verwechslungen kommt. (ger)

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