Ärzte Zeitung, 11.07.2006

Ruhige Lage, friedliche Atmosphäre - Hilfsdienste sind sehr zufrieden

Mehr Helfer nötig als ursprünglich geplant / 493 Ärzte waren für die Malteser im Einsatz / DRK-Konzept mit zentraler Führung hat sich bewährt

Von Patrick Hagen

Die Hilfsdienste Malteser und Deutsches Rotes Kreuz (DRK) ziehen eine positive Bilanz ihres Einsatzes während der Fußball-Weltmeisterschaft. "Die Atmosphäre war friedlicher als gedacht", sagt Malteser-Sprecherin Dr. Claudia Kaminski. "Es gab kaum Ausschreitungen."

Auch die Helfer feierten mit den Fans: die Malteser Michael Schmitz, Laurenz Schneider und Werner Meyer. Foto: Malteser

Die große Begeisterung der Fußballfans für die deutsche Mannschaft sorgte bei den Hilfsdiensten dennoch für viel Arbeit. Vor allem zu den öffentlichen Fußball-Übertragungen kamen deutlich mehr Zuschauer als erwartet. Das DRK spricht von seinem größten Einsatz seit dem Zweiten Weltkrieg. "Wir haben viel mehr Kräfte eingesetzt als eingeplant", sagt DRK-Sprecher Lübbo Roewer.

Etwa 100 Sanitäter-Einsätze pro Spiel in den Stadien

Allein in Nordrhein-Westfalen zum Beispiel gab es nach Angaben des Innenministeriums an den 16 Spieltagen mehr als 13 000 Rettungsdiensteinsätze. "Wir erlebten die Einsatzkräfte von Polizei und Katastrophenschutz als sehr motiviert und kompetent. Ich danke ihnen nachdrücklich für ihren aufopfernden Einsatz", sagte Innenminister Ingo Wolf (FDP).

Das DRK war vor allem im Katastrophenschutz, an den Public-Viewing-Plätzen und in den Stadien aktiv. Die Organisation hatte einen Vertrag mit der FIFA geschlossen und die Betreuung der Zuschauer in den WM-Stadien exklusiv übernommen. Während der Vorrunde mußten die Sanitäter in den Stadien etwa hundert Mal pro Spiel helfen. "Das ist etwa das Doppelte eines normalen Bundesliga-Einsatzes", sagt Roewer. "Wir hatten mit deutlich mehr Verletzungen gerechnet."

In den meisten Fällen waren die Helfer wegen Kreislaufbeschwerden gefragt. "Das lag an dem warmen Wetter und den langen Wartezeiten", sagt Roewer. "Viele haben einfach vergessen zu essen und zu trinken." Die Sanitäter mußten nur wenige Fans ins Krankenhaus bringen. Negative Ausnahmen waren nur die Ausschreitungen nach den Spielen in Dortmund und Stuttgart und der Amokfahrer, der in Berlin in eine Menschenmenge raste. Das DRK will heute seine offizielle Bilanz der Weltmeisterschaft bekanntgeben.

Auch bei den Maltesern waren mehr Helfer im Einsatz, als ursprünglich vorgesehen war. An den öffentlichen Übertragungsplätzen, im Rettungsdienst und beim Katastrophenschutz waren 14 205 Helfer im Einsatz und in Bereitschaft, darunter 493 Ärzte. Insgesamt kamen die Malteser auf 170 000 Einsatzstunden. 3390 Fahrzeuge standen bereit, um Verletzte in Krankenhäuser bringen zu können. "Die Lage war aber überall sehr ruhig", sagt Sprecherin Kaminski. "Die Zahl der Einsätze lag im Rahmen des normalen Sanitätsdienstes."

Nur wenige betrunkene Fans waren zu versorgen

Vor der WM waren betrunkene Fans bei den öffentlichen Spielübertragungen die größte Sorge der Helfer. "Es gab aber ausgesprochen wenige Alkoholisierte zu versorgen", sagt DRK-Sprecher Roewer. Auch bei den Maltesern, die in Frankfurt am Main die Zentrale Ausnüchterungsambulanz (ZAB) betreuten, hatte man mit mehr Arbeit gerechnet. Nur 100 Betrunkene mußten im Verlauf der WM in der ZAB betreut werden. Einsatzleiter Herbert Lewin sagte gestern, die Ambulanz sei über die Wochen gut besucht gewesen.

Das DRK ist mit dem Einsatz während der Weltmeisterschaft zufrieden "Es hat sich gezeigt, daß unser Konzept mit einer zentralen Führung gut war", sagt Sprecher Roewer. Das DRK hatte den WM-Einsatz erstmals auf Bundesebene koordiniert. Auch die Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr und anderen Hilfsdiensten sei reibungslos abgelaufen. "Wir konnten einen Katastropheneinsatz üben, obwohl es keine Katastrophe gab, sondern ein Fest", sagt Roewer.

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