Ärzte Zeitung, 01.09.2006

Jubiläum beim Jüdischen Krankenhaus Berlin

Das 250jährige Bestehen wird mit einer Ausstellung gefeiert / Am Sonntag ist Tag der offenen Tür

Von Angela Mißlbeck

Das Jüdische Krankenhaus Berlin feiert ab heute sein 250jähriges Bestehen. Nach einer wechselvollen Geschichte hat die traditionsreiche Klinik wirklich Grund zum Feiern. Als einzige jüdische Einrichtung in Deutschland hat sie den Nationalsozialismus überlebt.

Die einzige jüdische Einrichtung in Deutschland, die den Nationalsozialismus überlebt hat: das Jüdische Krankenhaus Berlin. Fotos: Jüdisches Krankenhaus Berlin

Ein Krankenhaus wie jedes andere - so erscheint das Jüdische Krankenhaus Berlin heute auf den ersten Blick. Mit knapp 400 Betten versorgt es pro Jahr mehr als 20 000 Patienten. Ambulant und stationär werden sie auf der Rettungsstelle oder auf den Stationen internistisch, chirurgisch, psychiatrisch-psychotherapeutisch oder neurologisch behandelt. Ärzte und Pfleger aus vielen Ländern kümmern sich um Patienten aller Religionen, Hautfarben und Nationalitäten.

Als "Krankenhaus der jüdischen
Gemeinde" vor 250 Jahren gebaut.

"Wir sind ein multikulturelles Krankenhaus", sagt Kliniksprecher Gerhard Nerlich. Aber es ist auch ein jüdisches Krankenhaus. Wer möchte, kann koscheres Essen bestellen. Als Andachtsraum dient eine 2003 wieder eröffnete Synagoge.

Als jüdische Einrichtung hat die Klinik ihre besondere Geschichte. Sie wurde 1938 für viele jüdische Ärzte in Deutschland zur einzigen möglichen Wirkungsstätte. Nachdem ihnen die Approbation von den Nationalsozialisten aberkannt wurde, durften sie nur noch Juden behandeln.

Doch die lange Geschichte des Jüdischen Krankenhauses kennt außer dieser dunklen Stunde auch viele lichte Momente. Große Namen schmücken die Geschichte der Klinik. Als erster Arzt betreute Marcus Herz das 1756 von der jüdischen Gemeinde gegründete Krankenhaus. Ihm lief seine junge und schöne Frau Henriette mit ihrem namhaften literarischen Salon in der historischen Bedeutung den Rang ab.

Das Jüdische Krankenhaus kam ein Jahrhundert später, nach einem Neubau mit damals modernster Ausstattung zu Ruhm und Ehre. Unter den großen Ärzten des Hauses war Ludwig Traube, der sich als erster jüdischer Mediziner an der Berliner Universität habilitieren durfte.

Der Andachtsraum: Die Synagoge des Krankenhauses wurde vor drei Jahren wieder neu eröffnet.

Auch Rudolf von Langenbeck, Kollege Rudolf Virchows und Gründer der Deutschen Chirurgischen Gesellschaft, wirkte an der Klinik. Bei diesen beiden lernte James Israel, der als Vater der urologischen Chirurgie und Begründer der Nierenchirurgie in die Medizingeschichte einging.

Mehr über die Geschichte des Jüdischen Krankenhauses, besonders während der Zeit des Nationalsozialismus, können Besucher in der Ausstellung "Vom Hekdesch zu Hightech" anhand von Fotos, Dokumenten und Originalinstrumenten erfahren. Das gegenwärtige Jüdische Krankenhaus präsentiert sich am kommenden Sonntag, 3. September, bei einem Tag der offenen Tür.

Jüdisches Krankenhaus Berlin, Heinz-Galinski-Straße 1, 13347 Berlin. Öffnungszeiten der Ausstellung: Mo bis Fr, 10-17 Uhr, So 12-16 Uhr. Weitere Infos im Internet unter: www.juedisches-krankenhaus.org

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