Ärzte Zeitung, 23.10.2006

Litt das Modell der Mona Lisa an vererbter Hyperlipidämie?

Belgischer Medizin-Professor analysiert Leonardo da Vincis berühmtes Gemälde / Gelber Fleck im Augenwinkel und Schwellung der Hand

BRÜSSEL/LÖWEN (dpa). Eine erbliche Stoffwechselkrankheit hat wahrscheinlich den frühen Tod der Mona Lisa bewirkt. Zu diesem Ergebnis kommt der MedizinProfessor Jan Dequeker von der Universität Löwen in Belgien nach einer eingehenden Untersuchung des berühmten Gemäldes von Leonardo da Vinci aus dem Jahr 1507.

Zwei Angestellte des Louvre hängen Leonardo da Vincis Gemälde "Mona Lisa" auf. Das Modell hatte wahrscheinlich eine erbliche Stoffwechselkrankheit. Foto: dpa

Mona Lisa war damals zwischen 25 und 30 Jahre alt - sehr jung für hohe Blutfettwerte, die der Rheumatologe anhand mehrerer Hinweise diagnostizierte. Der Arzt tippt deshalb auf eine vererbte Hyperlipidämie, die auch den Tod des Modells im Alter von nur 37 Jahren erklären würde.

"Wenn man das Gesicht dieser schönen jungen Frau anschaut, kann man einen gelben Fleck in ihrem linken Augenwinkel erkennen", erklärte Dequeker. "Das ist eine Anhäufung von Cholesterin unter der Haut - Xanthelasma." Auch eine Schwellung an der rechten Hand deute auf diese Krankheit hin. "Diese Erkrankung, bei der das Blut zuviel Fett enthält, ist ein ernster Risikofaktor für eine Herzkrankheit und einen frühen Tod", erläuterte der Mediziner.

Die Befunde zur Mona Lisa finden sich in Dequekers neuem Buch "De kunstenaar en de dokter. Anders kijken naar schilderijen" ("Der Künstler und der Arzt. Ein anderer Blick auf Gemälde"), in dem der Arzt nach 30jähriger Spurensuche mehr als 220 überraschende Diagnosen stellt.

Während Kunsthistoriker und Museumsbesucher über Stil, Farbwahl oder die benutzten Pinsel diskutierten, hat der 72 Jahre alte Medizin-Professor die Suche nach abgebildeten Krankheiten zu seinem Lebenswerk gemacht. "Erst schien nur der Beruf aufs Privatleben abzufärben, später wurde es ein Hobby, und inzwischen ist es ein wenig aus dem Ruder gelaufen", so Dequeker.

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