Ärzte Zeitung, 24.10.2006

Fernsehsender will Widerruf von Kammern

Streit um "Kontraste"-Beitrag

DÜSSELDORF (akr). Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) verlangt von den Ärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe den Widerruf und die künftige Unterlassung der Behauptung, das ARD-Politikmagazin "Kontraste" lüge.

Die Ärztekammern hatten nach der am 5. Oktober erfolgten Ausstrahlung eines Beitrags über die Gutachterkommissionen eine gemeinsame Pressemitteilung mit der Überschrift "Kontraste lügt" herausgegeben (wir berichteten).

Die Autoren des Beitrags hatten den Fall eines Patienten aus Nordrhein mit einer Herzklappeninfektion geschildert. Nach Einschätzung der zuständigen Gutachterkommission hatte sein Hausarzt keinen Behandlungsfehler begangen, ein Gerichtsgutachten war zu einer anderen Einschätzung gekommen.

Der Beitrag stellte anhand dieses Beispiels die Unabhängigkeit der Schlichtungsstellen grundsätzlich in Frage. Nach Auffassung der Kammern hätten die Autoren berichten müssen, daß in Nordrhein Gerichtsgutachter nur in einem von 100 Fällen zu anderen Ergebnissen kommen als die Gutachterkommission und 90 Prozent der Verfahren ohne gerichtliche Auseinandersetzung abgeschlossen werden.

Man könne bei Fragen des Sachverhalts durchaus anderer Meinung sein, sagte RBB-Sprecher Ulrich Anschütz. "Aber als publizistische Institution können wir den Vorwurf der Lüge nicht auf uns sitzen lassen", sagte er. Die Ärztekammern lassen sich von den Anwaltschreiben des Senders nicht beeindrucken. Für sie kommt weder ein Widerruf noch die Abgabe einer Unterlassungserklärung in Frage.

"Das Magazin hat durch Weglassen wichtiger Tatsachen und suggestive Schnitte in Wort und Bild seinen Zuschauern eine vorgefaßte Meinung aufgenötigt und damit die Interessen der Patienten verraten", heißt es in einer Erklärung beider Kammern.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »