Ärzte Zeitung, 05.12.2006

Gewalt-Videospiele schaden Gefühlen und Konzentration

MRT-Studie mit jugendlichen Computer-Spielern

CHICAGO (mut). Jugendliche, die gewaltverherrlichende Computer- und Videospiele spielen, haben ihre Emotionen offenbar schlechter unter Kontrolle als Nutzer von wenig gewalttätigen Spielen. Auch scheinen Videospiele mit viel Gewalt der und Konzentrationsfähigkeit zu schaden.

Junge Leute sitzen an dem in Verruf geratenen Computer-Spiel "Counter Strike". Foto: dpa

Darauf deuten Studien mit funktioneller Magnetresonanz-Tomographie (fMRT), die US-Forscher jetzt auf einem US-Radiologenkongreß in Chicago vorgestellt haben.

Die Forscher um Professor Vincent Mathews aus Indianapolis ließen insgesamt 44 Jugendliche eine halbe Stunde entweder ein Videospiel mit viel Gewalt oder ein ähnlich spannendes Spiel ohne Gewalt spielen. Anschließend mußten die Teilnehmer unter fMRT einige Tests absolvieren. Sie sollten etwa Wortfolgen lesen, unter denen sich Wörter wie "schlagen" oder "schaden" befanden, die eine Gewalthandlung andeuten. Bei einer anderen Aufgabe mußten sie die korrekte Zahl von Objekten auf einem Monitor nennen.

Das Ergebnis: Bei den Teilnehmern mit dem Gewalt-Spiel kam es während der Tests zu einer verminderten Aktivierung in Regionen des präfrontalen Kortex, also Bereichen, die Konzentration und Selbstkontrolle steuern. Dagegen kam es bei diesen Teilnehmern im Vergleich zur Gruppe ohne Gewaltspiele zu einer erhöhten Aktivierung der Amygdala, also einen Gehirnbereich, der die emotionale Erregung steuert. Personen, bei denen die Amygdala stark aktiv ist, sind sehr auf Gefahren fixiert, sehr wach und reaktionsbereit. Die kognitive Leistung ist dabei jedoch reduziert.

Ob Videospiele mit viel Gewalt die kognitive Leistung und Emotionen auch langfristig verändern, soll jetzt in einer größeren Studie geklärt werden. Immerhin: Hinweise darauf gibt es auch einer Studie mit 210 Jugendlichen, die andere Teilnehmer mit unangenehmen elektronischen Tönen quälen durften. Wer Gewaltspiele liebte, quälte andere besonders lange und intensiv, berichteten Psychologen der Iowa-State-Universität.

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