Ärzte Zeitung, 13.02.2007

Deutsches Sommer-Märchen pflanzt sich fort: Babyboom nach Fußball-WM

Euphorie wirkt aphrodisierend / Hebammen bestätigen bundesweiten Trend

KASSEL (dpa). Eigentlich wollten Jennifer Koch und ihr Freund Tobias Amend gar nicht Fußball sehen. Aber dann blieben die beiden Nordhessen bei einem Hamburg-Besuch vor einer Großleinwand hängen und bekamen so hautnah den Sieg der deutschen Mannschaft gegen Schweden mit. "Wir waren so euphorisiert, das musste sich irgendwie fortsetzen", sagt Jennifer. Die Nacht wird beiden in Erinnerung bleiben - es war die Nacht, in der ihr erstes Kind gezeugt wurde.

Frank Schäffer und Anja Ackermann aus Lohfelden (Nordhessen) erwarten fast genau neun Monate nach dem WM-Endspiel in Berlin Nachwuchs. Foto: dpa

Kein Einzelfall: Neun Monate nach der Fußball-Weltmeisterschaft kündigt sich in Deutschland ein Babyboom an (wir berichteten kurz) "Mehr Geburten neun Monate nach solch einem Ereignis sind nur auf dem ersten Blick überraschend", sagt Rolf Kliche von der Kasseler Geburtsklinik Dr. Koch. "Die Einstellung des eigenen Körpers und die Rolle der Hormone werden oft unterschätzt. Wer eine positive Grundstimmung hat, wird auch einfacher schwanger."

Ein Trend, den Kliniken in WM-Städten bestätigen. "Unsere Kurse für werdende Mütter sind praktisch ausgebucht. Wir werden im März/April wohl zusätzliche anbieten müssen", heißt es im Hamburger Universitätskrankenhaus Eppendorf. "Es ist kein Mega-Babyboom, aber die nächsten beiden Monate ist es schon mehr", sagt auch Doris Zeiselmeier, Hebamme an der Frauenklinik der Münchner Universität. Und im Geburtshaus Friedrichshain in Berlin erwartet man viel Arbeit: "Es geht los. Die nächsten Wochen haben wir alle Hände voll zu tun."

"Im März und April sind unsere Sprechstunden für werdende Mütter komplett voll", heißt es an der Frankfurter Universitätsklinik. Im Frühjahr würden immer mehr Kinder geboren ("ein Produkt aus Sommer und Urlaubszeit"), in diesem Jahr seien es aber mehr als sonst. Und die Kasseler Hebamme Tanja Jankovic sieht sich und ihre Kolleginnen an der Kapazitätsgrenze: "Wo sonst immer ein bisschen Luft ist, ist im März/April alles voll."

Auch in Köln ist das Phänomen bekannt. Hebamme Barbara Freischütz koordiniert die Schwangerschaftskurse in Köln. "Wir sind sehr gut gebucht. Und immer wieder erzählen auch Frauen, sie hätten ein Souvenir von der WM." Ein Babyboom neun Monate nach der großen Sause? Freischütz: "Hier in Köln ist das Phänomen bekannt. Das haben wir jedes Jahr - nach dem Karneval."

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