Ärzte Zeitung, 27.04.2007

33-jähriger Banker pilgerte im Rollstuhl auf dem Jakobsweg

In 36 Tagen hat der gelähmte Felix Bernhard über 1200 Kilometer zurückgelegt

FRANKFURT/MAIN (dpa). Im Alltag beschäftigt sich Felix Bernhard mit dem hektischen Auf und Ab der Aktienkurse. Im Urlaub wählt der 33-jährige querschnittgelähmte Investmentbanker aus Frankfurt ein Kontrastprogramm: Drei Mal ist er fast 2500 Kilometer mit dem Rollstuhl auf dem Jakobsweg gepilgert.

Der Investmentbanker Felix Bernhard, der seit seinem 19. Lebensjahr querschnittsgelähmt ist, ist gewohnt, sein Ziel schnell zu erreichen. Foto: dpa

Nach den Varianten in Nordspanien und Frankreich hat er vor zwei Jahren - diesmal allein - den noch wenig frequentierten Weg vom südspanischen Sevilla nach Santiago de Compostela zurückgelegt. Darüber hat Bernhard, der im Alter von 19 Jahren nach dem Abitur einen schweren Motorradunfall hatte, jetzt ein Buch geschrieben.

Über den Jakobsweg, der auch Hape Kerkeling zu seinem Dauer-Bestseller inspiriert hat, erscheinen fast täglich neue Bücher. Was Bernhards Bericht von anderen Reiseerzählungen unterscheidet, ist die ungewöhnliche Lebensgeschichte des 33-Jährigen. "Der Weg war das Ziel, aber nicht allein", sagt der junge Banker. Dem Pilger im Rollstuhl, der in seiner Jugend Leistungssportler war und das "B- Wort" (Behinderter) nicht gerne mag, ging es um die Überwindung von Barrieren und Grenzen.

So beschimpft er schon auch mal seinen Rollstuhl, wenn dieser im Sand oder felsigen Gelände stecken bleibt. 36 Tage lang hat Bernhard für die 1200 Kilometer nach Santiago gebraucht, um die 30 Kilometer hat er täglich zurückgelegt. Sein neun Kilo schwerer Rucksack war am Rollstuhl befestigt. Sechs platte Reifen musste Bernhard auf der Reise selbst flicken. Wenn es auf dem Weg zu steil oder zu felsig wurde, nahm er den Weg über die Landstraße.

"Ich bin jemand, der gerne schnell sein Ziel erreicht", so Bernhard, der täglich von seiner Wohnung im Frankfurter Westend ins Büro mit dem Rollstuhl fährt. "Das Pilgern hat mir geholfen, das Leben anzunehmen", sagt der junge Mann, der nach eigenen Worten seitdem auch "ruhiger" geworden ist.

Welche Energie und Willenskraft der 33-Jährige besitzt, das wird nicht nur auf den Etappen nach Santiago deutlich. Auch in seiner Biografie ging es trotz des tragischen Unfalls positiv weiter. Nach seiner Rehabilitationszeit in einer Klinik studierte der in Essen aufgewachsene Bernhard in Freiburg und dann drei Jahre in den USA Betriebswirtschaft, bevor er von einer großen deutschen Bank in Frankfurt am Main angeheuert wurde.

Felix Bernhard, Dem eigenen Leben auf der Spur,, Scherz Verlag, Frankfurt/Main, 224 S., 18,90 Euro; ISBN 978-3-502-15093-0

Topics
Schlagworte
Panorama (30661)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »