Ärzte Zeitung, 30.04.2007

Eugen Bleuler prägte den Begriff Schizophrenie

Heute ist der 150. Geburtstag des Zürcher Professors für Psychiatrie / Kritiker der Schulmedizin

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden viele Grundlagen der modernen Psychiatrie entwickelt. Außer Emil Kraepelin und Sigmund Freud hat damals vor allem der Zürcher Professor für Psychiatrie, Eugen Bleuler, mit seinen Arbeiten Marksteine gesetzt. Heute jährt sich der Geburtstag des langjährigen Leiters der Zürcher Heilanstalt Burghölzli zum 150. Mal.

Von Klaus Brath

Der im ländlichen Milieu seiner Schweizer Heimat aufgewachsene Bleuler zählte zu den ersten Bauernkindern, die zum Studium an der Universität Zürich zugelassen wurden. Frühzeitig entwickelte er eine Passion für die Psychiatrie, der er sich mit strenger Arbeitsdisziplin widmete. Viele seiner psychopathologischen Beobachtungen und Erkenntnisse, wie er sie etwa in seinem Standardwerk "Lehrbuch der Psychiatrie" dokumentierte, erwarb er im täglichen Umgang mit seinen Patienten, indem er ihrem innerem Erleben einen hohen Stellenwert einräumte.

In die Medizingeschichte ging Bleuler vor allem durch seine epochale Konzeptualisierung der Schizophrenien (1911) ein. Er erkannte, dass bei der vielgestaltigen, seit Kraepelin (1898) als "Dementia praecox" bezeichneten Krankheit weder eine Demenz im üblichen Sinne eintritt noch ein früher Beginn obligatorisch ist. Bleuler wählte stattdessen die heute weltweit gebräuchliche Bezeichnung Schizophrenie (Spaltungsirresein; von griechisch schizo = ich spalte; phren = Geist). Denn die innerliche Zerrissenheit, die Spaltung der verschiedenen psychischen Basisleistungen (Denken, Fühlen, Handeln) sei charakteristisch für dieses Krankheitsbild. Bedeutsam wurde auch seine Einteilung in so genannte Grundsymptome und die akzessorische Symptomatik.

Bleuler prägte nicht nur den Begriff Schizophrenie, sondern auch andere zentrale Begriffe, die in die Psychopathologie und den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen sind wie Autismus, Ambivalenz und Tiefenpsychologie. Er stellte außerdem die Weichen dafür, dass sich die Psychoanalyse in der Universitätspsychiatrie etablieren konnte.

Bleuler war zudem der erste Psychiatrieordinarius, der sich ernsthaft mit der Psychoanalyse Freuds auseinandersetzte. Die Bandbreite seiner Schüler bezeugt ebenfalls seine Offenheit für neue Ansätze. Zu seinen namhaften Schülern zählen so unterschiedliche Arzt-Persönlichkeiten wie Carl Gustav Jung, Karl Abraham, Ludwig Binswanger, Hermann Rorschach und auch sein Sohn Manfred Bleuler.

Nicht zuletzt hinterließ Bleuler auch Spuren in der Allgemeinmedizin. Sein eigentümliches Buch "Das autistisch-undisziplinierte Denken in der Medizin", eine Abrechnung mit unreflektiert-unwissenschaftlichem Verhalten in der Schulmedizin, wird noch heute gern als Vorläufer einer "evidenced based medicine" zitiert.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »