Ärzte Zeitung, 22.02.2008

Auf Stöckeln gegen die Inkontinenz

Italienische Urologin: Hohe Hacken stärken die Beckenbodenmuskulatur / Forschungsprojekt soll ausgeweitet werden

ROM (dpa). Stöckelschuhe schmerzen an den Füßen, sorgen dafür, dass Frauen stolpern oder umknicken. Schlicht: Sie sind unbequem. Eine Urologin behauptet nun, dass das Tragen von Stöckelschuhe die Beckenbodenmuskulatur stärkt.

 Auf Stöckeln gegen die Inkontinenz

Auf Stöckelschuhen unterwegs: Stärkt ihr Tragen die Beckenmuskulatur?

Foto: dpa

Die negativen Effekte, die die "hohen Hacken" auf Füße und Rücken haben, sind weithin bekannt - und trotzdem werden sie allerorts getragen. Denn Sandaletten mit Pfennigabsatz und Pumps machen Frauen sexy. In Italien, dem Land der Schuhe schlechthin, hat nun die Urologin Maria Cerruto von der Universität Verona Erstaunliches festgestellt: Das Tragen von hohen Absätzen bringt nicht nur schädliche Nebeneffekte mit sich. Ihre überraschende Entdeckung: Stöckelschuhe können aktiv die Beckenbodenmuskulatur stärken.

Positiv daran ist unter anderem, dass eine gut trainierte Unterleibsmuskulatur auch positive Auswirkungen auf das Sexualleben haben kann. "Stöckelschuhe verbessern den weiblichen Orgasmus!", folgerten italienische und britische Zeitungen prompt. "Aber um diesen Aspekt zu erforschen, haben wir unser Projekt nicht begonnen", betont Cerruto. "Wir möchten Frauen helfen, die unter Inkontinenz leiden."

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden ist Inkontinenz ein weit verbreitetes Problem, unter dem speziell Frauen über 70 leiden. Die Fähigkeit, die Blase zu kontrollieren, hängt unter anderem mit der Beckenbodenmuskulatur zusammen.

Diese kann zum Beispiel durch Schwangerschaften und häufiges Sitzen geschwächt werden, sodass man sie nicht mehr ausreichend anspannen und den Harndrang unterdrücken kann. Regelmäßige Kräftigungsübungen schon im jungen Alter und nach einer Geburt verringern das Risiko einer späteren Inkontinenz. Anders verhält es sich allerdings, wenn die Krankheit durch eine Operation, einen Unfall oder Medikamente ausgelöst wurde.

Für Cerrutos Untersuchung mussten sich Frauen mit verschieden hohen Absätzen an den Füßen auf eine Vibrationsplatte stellen. Elektronisch wurde dann die Aktivität der Muskulatur im Becken der Frauen gemessen. Ergebnis: Der Beckenboden entspannt sich bei etwas höherem Schuhwerk, die Muskulatur wird gestärkt. Sowohl bei gesunden, als auch bei bereits von der Krankheit betroffenen Frauen zeigte sich eine Verbesserung der Anspannungsfähigkeit.

Entscheidend ist hierbei der Winkel, in dem sich der Fuß durch den Absatz vom Boden abhebt, und der je nach Schuhgröße unterschiedlich ist. "Wir sprechen hier nicht von außergewöhnlich hohen Schuhen, sondern von einer Höhe von etwa fünf Zentimetern", erklärt Cerruto. Dies sei jedoch völlig individuell, fügte sie hinzu.

Das Projekt steckt allerdings noch im Anfangsstadium. Darüber, ob das alleinige Tragen von Absätzen Abhilfe verschaffen kann, kann die Urologin aus Verona bisher noch keine Auskunft geben. "Als nächsten Schritt wollen wir nun genauer erforschen, wie sich unsere Resultate in das Alltagsleben umsetzen lassen."

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