Ärzte Zeitung, 15.04.2008

KOMMENTAR

Konfliktherd der Zukunft

Von Pete Smith

Mit Blick auf die rasant steigenden Lebensmittelpreise spricht der Chef des Weltwährungsfonds vom "Konfliktherd der Zukunft". Hört man genauer hin, dann beklagt er nicht allein die Hunderttausenden von Menschen, die wegen unbezahlbarer Nahrungsmittel in den armen Ländern verhungern müssen, sondern die in Folge dieses Massensterbens zerrütteten "wirtschaftlichen Umfelder". Mit all ihren Auswirkungen, die auch jene zu spüren bekommen werden, die sich wenige Gedanken
über das Elend in der Welt machen. Die Aufstände der Hungernden in Haiti und Ägypten sind zwei nur geographisch voneinander entfernte Brandherde, die sich rasch zu einem Flächenbrand vereinen könnten.

Die Ausführungen des Wirtschaftsexperten berühren den Kern des Problems. Als ob nicht schon der Hungertod eines einzigen Menschen Anklage genug wäre, muss erst ein Szenario beschworen werden, in dem sich die Armen gewaltsam nehmen, was ihnen die Reichen verweigern.

Erst ein pervertierter Umweltgedanke hat die Diskussion in Gang gebracht. Bis dato war nur wenigen Menschen bewusst, dass ein wesentlicher Teil der Landwirtschaftsprodukte nicht dazu verwendet wird, den Hunger der Armen zu stillen, sondern um die Biospritquote in einigen Industrieländern zu erhöhen. Dass darauf 30 bis 70 Prozent der Preissteigerungen im Nahrungsmittelsektor zurückzuführen sind, wird nun zum Glück nicht mehr kritiklos hingenommen.

Lesen Sie dazu auch:
Lebensmittelkrise ist nicht nur Ursache für Gewalt

Topics
Schlagworte
Panorama (30661)
Personen
Pete Smith (519)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »