Ärzte Zeitung, 07.05.2008

Bunte Leuchtkugeln demonstrieren die Heilkraft

"Homöopathie - der andere Weg"/ Schau im Mannheimer Luisenpark / Originalbriefe von Samuel Hahnemann

MANNHEIM (ug). Ein dunkler Raum, leise Geigenmusik, 16 Info-Stelen und viele leuchtende Kugeln: In der Ausstellung "Homöopathie - der andere Weg" im Mannheimer Luisenpark geht es um die Kraft der Kügelchen.

Die Ausstellung, ein Projekt der Deutschen Homöopathie-Union (DHU) in Karlsruhe und des Luisenparks, hat drei Teile: Zunächst wird Samuel Hahnemann (1755 bis 1843), der Begründer der Homöopathie, vorgestellt. Im zweiten Teil geht es um die Prinzipien und Wirkweisen der über 200 Jahre alten Therapiemethode. Und im dritten Teil schließlich wird die große Bedeutung, die die Homöopathie heute in Deutschland und der ganzen Welt hat, dargestellt. Auf den Leucht-Stelen gibt es Infotexte dazu.

In durchsichtigen Kugeln daneben sind zum Beispiel Originalbriefe von Hahnemann, historische Haus- und Reiseapotheken oder ein typischer Anamnesebogen eines homöopathisch tätigen Arztes ausgestellt. Auf bunten Leuchtkugeln und Fotos werden außerdem einige wichtige homöopathische Arzneimittel vorgestellt.

Es empfiehlt sich unbedingt, eine Führung durch die Ausstellung mitzumachen. Denn Dr. Herbert Zell von der DHU weiß viel zu erzählen. Zum Beispiel von Hahnemann, der nicht nur Arzt, sondern auch Pharmazeut und vor allem ein akribischer Wissenschaftler war.

Hahnemann war äußerst enttäuscht, ja geradezu abgestoßen von den medizinischen Methoden seiner Zeit. Gängig waren damals vor allem Brechkuren, Abführkuren und Aderlässe - "die unheilige Trias", so Zell. Damit wurde den Patienten oft mehr geschadet als genutzt. Nun sei Hahnemann ein ehrlicher Mensch gewesen, erzählt Zell. Als er sich nach seiner Promotion in Erlangen als Arzt niederließ, habe er es abgelehnt, Patienten zu behandeln. Er habe stattdessen ein Schild an die Tür seiner Praxis gehängt: "Gehen Sie nach Hause! Ich kann Ihnen nicht helfen, ich würde Sie nur um Ihr Geld bringen."

Selbstversuch mit Chinarinde brachte den Durchbruch.

Hahnemann kam dann durch einen Selbstversuch mit Chinarinde auf ein neues Therapieprinzip: "Similia similibus curentur", "Ähnliches werde mit Ähnlichem geheilt". Das ist heute noch die Quintessenz der Homöopathie. Mit seiner neuen Heilmethode hatte Hahnemann als Arzt schließlich großen Erfolg und wurde sehr berühmt. Auch Niccoló Paganini war später in Paris sein Patient. Deshalb begleiten Kompositionen des Teufelsgeigers die Ausstellung in Mannheim. Sein Leben lang experimentierte Hahnemann an dieser Methode herum. Er bestand darauf, Arzneimittel genau zu prüfen. Viele prüfte er an sich selbst und seinen vielen Kindern. Zunächst setzte er die Arzneimittel in Reinform ein. Doch so kam es oft zu Nebenwirkungen. Deshalb begann er schließlich, die Stoffe zu verdünnen und zu potenzieren.

Er staunte nicht schlecht, als er feststellte, dass gerade stark verdünnte Mittel besonders stark wirkten. "Damit stand Hahnemann als Naturwissenschaftler vor einem Problem: Er konnte das logisch nicht erklären", erzählt Zell. Denn rein logisch konnte das nicht sein, denn in den starken Verdünnungen konnte keine Substanz mehr vorhanden sein. "Wem sollte er jetzt mehr trauen? Seiner eignen Logik oder dem, was er im Experiment beobachtet hatte?", sagt Zell und zitiert Hahnemann selbst: "Ich fordere gar keinen Glauben dafür und verlange nicht, dass dies jemandem begreiflich sei. Auch ich begreife es nicht. Genug, die Tatsache ist so und nicht anders. Bloß die Erfahrung sagt's, welcher ich mehr glaube als meiner Einsicht."

In diesem Zusammenhang weist Zell auf eine faszinierende Duplizität hin: Denn das gleiche Problem hatte später Albert Einstein mit seiner Relativitätstheorie. Auch er hatte ein Phänomen gefunden, das man logisch nicht erklären konnte, aber konstatieren musste. Und Zell zitiert Einstein: "Logisches Denken verschafft uns keine Erkenntnis über die wirkliche Welt. Alle Erkenntnis der Wirklichkeit beginnt mit der Erfahrung und endet mit ihr." Als habe Einstein über die Homöopathie gesprochen…

Die Ausstellung im Pflanzenschauhaus des Luisenparks in Mannheim läuft bis zum 1. Juni, täglich von 10 bis 18.30 Uhr. Führungen gibt es auch durch den Heilpflanzengarten im Luisenpark. Anmeldung unter 0621/4100523 oder -24 (vormittags). Weitere Infos: www.stadtpark-mannheim.de und www.dhu.de

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