Ärzte Zeitung, 09.05.2008

Immer mehr Jugendliche rauchen nicht mehr

Für Entwarnung ist es allerdings noch zu früh, sagen Experten

FREIBURG (ub). Deutsche Jugendliche rauchen weniger. Im Zeitraum von 2001 bis 2007 ging die Raucherquote in der Gruppe der 12- bis 17-jährigen von 28 Prozent auf 18 Prozent zurück.

 immer mehr jugendliche rauchen nicht mehr

In vielen Kneipen herrscht mittlerweile Rauchverbot. Für immer mehr Jugendliche ist das kein Problem, sie verzichten ganz auf den Glimmstängel.

Foto: dpa

Auch elf bis 15jährige Gewohnheitsraucher werden offensichtlich einsichtiger. Zu diesem Ergebnis kommen Studien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und der WHO.Während im Jahr 2002 15 Prozent von ihnen regelmäßig zum Glimmstängel griffen, taten das 2006 "nur" noch neun Prozent.

Für eine Entwarnung ist es dennoch entschieden zu früh. Datenerhebungen der Europäischen Schülerstudie zu Alkohol und anderen Drogen (ESPAD) zeigen auch, dass das Rauchen bei deutschen Jugendlichen stärker verbreitet ist, als in den meisten der 35 Vergleichsländer. Ähnlich hohe Quoten finden sich nur in Finnland, Österreich, Tschechien und der Ukraine. Deutlich seltener ist der jugendliche Qualmkonsum dagegen in Schweden, Dänemark, Norwegen, Großbritannien, Irland, Israel und den USA.

Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KIGGS) des Robert-Koch-Instituts Berlin schockiert mit alarmierenden Zahlen: 20,5 Prozent der 11- bis 17-jährigen Jungen und 20,3 Prozent der gleichaltrigen Mädchen rauchen regelmäßig und diese Zahl steigert sich bis auf über 40 Prozent bei den 17-jährigen. Zehn oder mehr Zigaretten täglich sind dabei nicht die Ausnahme. Das Einstiegsalter in die Tabakabhängigkeit liegt bei durchschnittlich 14,2 Jahren, die Spitze von 80 Prozent wird bei den 15-jährigen erreicht, und das hauptsächlich an Haupt- und Realschulen, weniger an Gymnasien.

Das alles vor dem Hintergrund, dass der Tabakkonsum in den Industrieländern der bedeutendste Einzel-Risikofaktor und die häufigste lebensverkürzende Ursache ist. Die Forscher der KIGGS-Studie kommen zu dem Ergebnis, dass nachhaltige Verringerung des Tabakkonsums, Schutz vor Passivrauchen und vor allem Verhinderung des Einstiegs in das Rauchen vorrangige Ziele der Gesundheits- und Präventionspolitik sein müssen. "Die Mehrheit der Raucher weist eine Nikotinabhängigkeit auf und hat entsprechend große Probleme, das Rauchen wieder aufzugeben."

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