Ärzte Zeitung online, 07.05.2008

Hilfswelle rollt nach Zyklon in Birma an

RANGUN/NEW YORK (dpa) - Nach der weltweit verheerendsten Naturkatastrophe seit dem Tsunami vor gut drei Jahren rollt in Birma jetzt die Hilfe an. Das Kinderhilfswerk Unicef ist mit 130 Mitarbeitern im Katastrophengebiet, um das Nötigste für die betroffenen Kinder zu organisieren, berichtete die Organisation am Mittwoch.

 Hilfswelle rollt nach Zyklon in Birma an

Foto: dpa

Die Militärjunta, die Birma seit Jahrzehnten abgeschottet regiert, ging zuletzt von mehr als 60 000 Toten und Vermissten aus. Die Zahlen könnten aber weiter in die Höhe schnellen, wenn das riesige überschwemmte Küstengebiet systematisch abgesucht wird.

"Es ist ein Wettlauf mit der Zeit", sagte Unicef-Direktorin Ann Veneman. "Kinder sind besonders gefährdet durch Krankheiten und Hunger." In der Vier-Millionen Metropole Rangun und dem Irrawaddy-Delta gibt es kein Wasser, keine funktionierenden Toiletten, keine Zelte und kaum Nahrungsmittel.

Durchfallerkrankungen und Cholera können schnell lebensbedrohlich werden. Hinzu kommt, dass die überschwemmten Gebiete ideale Brütbedingungen für Moskitos schaffen. Unicef habe damit begonnen, Notrationen unter anderem mit Tabletten zur Wasserentkeimung, Küchenutensilien und Seife zu verteilen. Mehr werde in die Region geflogen.

Auch aus Deutschland ist ein erstes Team des Bündnisses von Hilfsorganisationen "Aktion Deutschland Hilft" unterwegs. Die Gruppe sollte am Abend in Birma eintreffen. Erste Helfer, die über die von einer meterhohen Flutwelle überschwemmte Küste geflogen sind, berichteten von ganzen Dörfern, die dem Erdboden gleichgemacht wurden. In einer einzigen Stadt kamen 10 000 Menschen ums Leben. Nach Angaben der Vereinten Nationen in Genf sind 24 Millionen Menschen betroffen - das ist rund die Hälfte der Bevölkerung.

Das Welternährungsprogramm verteilt inzwischen erste Nahrungsmittelhilfe. Weitere Lastwagen sollen heute in die betroffenen Gebiete an der Küste fahren. Die Organisation sei in Kontakt mit den Behörden. "Um den Menschen ausreichend zu helfen brauchen wir aber sehr viel bessere Zusammenarbeit als bisher", sagte der zuständige Länderdirektor Chris Kaye.

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