Ärzte Zeitung, 16.06.2008

"Wir sind froh, dass der Psychologe bei uns ist"

Nicht nur für Team-Manager Oliver Bierhoff wurde die Niederlage der Nationalelf gegen Kroatien gut aufgearbeitet

TENERO (dpa). Nur keine Panik. Nach der intensiven Aufarbeitung der Kroatien-Pleite hat die sportliche Leitung der deutschen Fußball- Nationalmannschaft um Bundestrainer Joachim Löw das heiße "Endspiel" am heutigen Montag gegen Außenseiter Österreich zur reinen Charakterfrage erklärt.

"Das Spiel wird eine Kopfsache sein. Wenn wir hundert Prozent abrufen und hundertprozentig umsetzen, was die Trainer von den Spielern fordern, kann es nur einen Sieger geben - Deutschland", verkündete Team- Manager Oliver Bierhoff in Tenero. Ein radikaler Umbau des Teams ist nicht geplant, sondern nach dem "grünen Licht" für die angeschlagenen Lukas Podolski und Philipp Lahm lautet das Motto für den heißen Bruderkampf heute in Wien: Weiter so!

"Wir haben vieles hinterfragt", berichtete Bierhoff nach der internen Klausur des Trainerstabes und "vielen Einzelgesprächen" mit den Akteuren um Kapitän Michael Ballack. Die wichtigste Erkenntnis sei gewesen, nach der ersten Niederlage im EM-Turnier die bisherige Linie unter Löw nicht zu verlassen. "Der Weg ist der richtige", übermittelte Bierhoff.

Nach der Pleite gegen Kroatien hatten einige Spieler Redebedarf, auch mit Team-Psychologe Hans-Dieter Hermann. "Wir sind froh, dass er bei uns ist", sagte Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff. Verraten wird aus den persönlichen Gesprächen nichts. "Er kann ein Feedback geben, wie die Stimmung und die Sachlage sind", sagte Bierhoff.

Das Team, das gegen Kroatien kollektiv versagte und Zweifel säte, soll sich in Wien rehabilitieren dürfen. "Die Spieler sind gefordert. Sie müssen eine Antwort zeigen", erklärte Bierhoff.

Für wichtiger als die Aufstellung wird die Einstellung erachtet. "Es wird eine Mannschaft auf dem Platz stehen, die heiß ist, das Spiel zu gewinnen. Darauf kommt es an", sagte Torsten Frings.

Das "Endspiel" gegen Österreich wird im deutschen Lager nicht als mögliche Endstation gefürchtet, sondern als harte Zwischenprüfung angesehen. Als "lächerlich" bezeichnete Frings die schon eröffneten Diskussionen um die Zukunft von Löw bei einer Niederlage. Mitspieler Christoph Metzelder wies darauf hin, dass "im Turnier immer ein Moment kommt, wo man auf der Kippe steht".

Gesichert scheint in Wien der Einsatz von Lukas Podolski: Der dreifache Turniertorschütze wird trotz einer Kapselverletzung am Sprunggelenk für Deutschland erneut auf Torejagd gehen können.

Charakterfrage: der Sieg gegen Österreich.

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