Ärzte Zeitung, 20.06.2008

Ein Top-Spieler mit Spenderniere

Kroatiens Stürmerstar Ivan Klasnic will sich heute im Spiel gegen die Türkei erneut in die Torschützenliste eintragen

FRANKFURT/MAIN (Smi). Ivan Klasnic hat im letzten Vorrundenspiel gegen Polen Fußballgeschichte geschrieben: Der kroatische Nationalspieler in Diensten des Bundesligisten Werder Bremen ist der erste Fußballprofi mit Spenderniere, der bei einer Europameisterschaft ein Tor erzielt hat.

 Ein Top-Spieler mit Spenderniere

Sicherte mit neuer Niere Kroatiens Sieg gegen Polen: Ivan Klasnic (links), der den Bundesligisten Werder Bremen verlassen will.

Foto: dpa

Es ist der 16. Juni 2008, Schauplatz das Wörtherseestadion in Klagenfurt. In der 53. Minute schießt Ivan Klasnic nach einer Vorlage von Danijel Pranjic den 1:0-Siegtreffer gegen Polen. "Man konnte sehen, wie die Zuschauer aufgesprungen sind", erzählt Mittelfeldspieler Ivan Rakitic, der das Tor des Stürmers von Werder Bremen zu einem der besten des bisherigen Turniers zählt. "Das war einer seiner schönsten Tage."

Ein Tag der Auferstehung. Denn Klasnic hat erst im März vergangenen Jahres eine neue Niere bekommen. Lange Zeit war unklar, ob der 1980 in Hamburg geborene Kroate seine Profikarriere überhaupt würde fortsetzen können. Doch die Regeneration lief perfekt, schon am 30. Oktober 2007 durfte Klasnic sein erstes Pflichtspiel bestreiten und am 15. Dezember zum ersten Mal wieder im Bremer Weserstadion in der Startelf stehen. Eigentlich hätte einer Vertragsverlängerung mit Werder Bremen nichts im Wege gestanden. Doch davon will Klasnic nichts mehr wissen. Er wird den Verein in diesem Sommer verlassen, da sein Vertrauensverhältnis zur medizinischen Abteilung gestört sei (wir berichteten). Inzwischen hat Klasnics Anwalt zwei Bremer Vereinsärzte auf Schmerzensgeld und Schadensersatz verklagt, weil der Stürmer den Medizinern einen schweren Behandlungsfehler vorwirft.

Während einer Blinddarmoperation im November 2005 waren zum ersten Mal deutliche Anzeichen einer Niereninsuffizienz bei Klasnic festgestellt worden. Im Januar 2007 gab sein Anwalt auf einer Pressekonferenz bekannt, dass eine Nierentransplantation unumgänglich sei. Kurz darauf wurde dem Kroaten eine Niere seiner Mutter transplantiert, die jedoch wieder abgestoßen wurde. Während einer zweiten Transplantation an der Medizinischen Hochschule Hannover im März 2007 erhielt Klasnic eine Niere seines Vaters - diesmal mit Erfolg.

Im April dieses Jahres verklagte sein Anwalt dann die Vereinsärzte von Werder Bremen. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie die beginnende Nierenerkrankung Klasnics schon im Mai 2001 hätten erkennen müssen, als dieser im Zuge seines Wechsels an die Weser von den Bremer Ärzten untersucht wurde. Damals hätten seine Nieren nur noch zu 67 Prozent gearbeitet, stellt ein Gutachten fest, ein Wert, der im Laufe von vier Jahren auf 28 Prozent gefallen sei.

Vor allem die alarmierenden Kreatininwerte hätten "zwingend erkannt werden müssen", so das Gutachten. Außerdem hätten sie Klasnic zu viel Schmerzmittel verabreicht. Die Bremer Ärzte weisen alle Vorwürfe zurück. Ihnen zufolge handelt es sich in Klasnics Fall um einen "schicksalhaften" Krankheitsverlauf.

Zurzeit konzentriert sich der Kroate jedoch ganz auf die Nationalmannschaft und die Europameisterschaft. Für das heute mit Spannung erwartete Viertelfinalspiel gegen die Türkei hofft er auf einen zweiten Einsatz, den Einzug seiner Mannschaft ins Halbfinale - und auf ein weiteres eigenes Tor.

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