Ärzte Zeitung, 27.06.2008

Mit den Jungen nach Südafrika

Nach der EM werden sich nur wenige deutsche Leistungsträger verabschieden

BASEL (dpa). Aufbruch statt Umbruch: Nach der EM wird es in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft anders als nach vielen Turnieren in der Vergangenheit keine Rücktrittswelle geben.

Mit dem Abschied von Oliver Neuville (l.) und Jens Lehmann (3.v.l.) wird gerechnet. Lahm (2.v.l.), Gomez (2.v.r.) und Hitzlsperger (r.) gehört die Zukunft.

Foto: imago

Joachim Löw kann mit den EM-Assen von 2008 auch die schwierige Qualifikation für Südafrika 2010 in Angriff nehmen. "Es ist noch einiges herauszuholen aus der Mannschaft", betonte Michael Ballack, der die DFB-Auswahl auch noch als Kapitän zur nächsten Weltmeisterschaft in zwei Jahren führen will.

Nach dem WM-Sommermärchen 2006 war Oliver Kahn der einzige Akteur, der unmittelbar nach dem Spiel um Platz drei gegen Portugal (3:1) noch auf dem Rasen des Stuttgarter Stadions seinen Rücktritt erklärte. Die 22 anderen machten weiter, auch Jens Nowotny, der im ersten Länderspiel unter Löw gegen Schweden (3:0) noch 90 Minuten durchspielte, ehe er seine Karriere nach einem erneuten Knie-Schaden beenden musste.

Früher war ein Turnierende auch stets der Abpfiff für große Nationalmannschafts-Karrieren: Vom ersten Weltmeister Fritz Walter über die 74er-Champions Gerd Müller, Wolfgang Overath und Berti Vogts über die 90er-Weltmeister Rudi Völler, Jürgen Klinsmann oder Lothar Matthäus - in der Regel war ein Titelgewinn oder ein Turnier-K.o. der finale Auftritt im Nationaltrikot.

Löw hat solche Sorgen anno 2008 nicht: Nur der 38 Jahre alte Torhüter Jens Lehmann und der 35 Jahre alte Angreifer Oliver Neuville gelten nicht mehr als Kandidaten für das kommende "WM-Casting" des Bundestrainers. Der DFB-Chefcoach profitiert jetzt davon, dass Jürgen Klinsmann nach der EM-Blamage 2004 personell ausgemistet und die Nationalmannschaft radikal verjüngt hatte.

Nachdem Haudegen wie Jens Jeremies und Fredi Bobic nach der Vorrunden-Pleite in Portugal selbst abgetreten waren, verabschiedete Reformer Klinsmann bis zur WM im eigenen Land nach und nach langjährige Auswahlkicker wie Frank Baumann, Dietmar Hamann, Fabian Ernst oder Christian Wörns.

Löw übernahm und betreut ein Team, das noch nicht im Zenit seiner Leistungsfähigkeit steht. Er selbst hat insbesondere den vielen jungen Leistungsträgern wie Philipp Lahm (24), Per Mertesacker (23) oder Lukas Podolski (23) eine "imposante Entwicklung" bescheinigt. "Die Mannschaft ist gereift", sagt Torsten Frings, der schon 2002 Vize-Weltmeister war. Ballack (31), Frings (31), Klose (30) - die kleine, aber feine "Ü 30"-Fraktion will auch noch Richtung Südafrika vorangehen und könnte 2010 mit der Erfahrung von jeweils 100 und mehr Länderspielen noch ein letztes Mal ein WM-Team anführen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Künstliche Herzklappe raubt oft den Schlaf

Fast ein Viertel aller Patienten mit einer mechanischen Herzklappe klagt über Schlafstörungen. Die Ursache hat eine einfache Erklärung. mehr »

"Sportlich, unrealistisch, überkommen"

Am Donnerstagnachmittag debattiert der Deutsche Ärztetag über die GOÄ-Novellierung. Unsere Video-Reporter haben sich vorab dazu umgehört. mehr »