Ärzte Zeitung, 08.07.2008

Diagnoseschock wird künstlerisch verarbeitet

In Orientierungswochenenden lernen Mannheimer Brustkrebspatientinnen, ihren Seelenzustand mit selbst gemalten Bildern auszudrücken

MANNHEIM (bd). "Ich kann doch gar nicht malen"! Mit diesem Satz wird die Kunsttherapeutin Denny Ostric häufig konfrontiert, wenn sie Brustkrebspatientinnen auffordert, die Auseinandersetzung mit der Diagnose in einem Bild auszudrücken.

Bei der Verarbeitung der Erkrankung mit Farbe und Pinsel entstanden zum Teil beeindruckende Bilder, die jetzt auf der onkologischen Station der Mannheimer Uni-Frauenklinik ausgestellt werden. Die farbenfrohen Impressionen in den Klinikgängen sollen anderen Betroffenen Mut machen, sagt Birgit Heinschke, Entspannungspädagogin und Tumorberaterin sowie Leiterin der Selbsthilfeinitiative mamazone-Mannheim, die die Ausstellung initiiert hat.

Die Werke sind in Orientierungs-Wochenenden entstanden, welche die Entspannungspädagogin zusammen mit der Psychoonkologin Dr. Susanne Ditz und der Kunsttherapeutin Denny Ostric für Brustkrebspatientinnen zweimal jährlich mit Unterstützung der Barmer Ersatzkasse anbietet. "Für viele Frauen bedeutet die Diagnose Brustkrebs ein Neuanfang", sagt die Mannheimer Tumorberaterin.

Die Bilder werden auf der onkologischen Station der Frauenklinik ausgestellt.

"Mit unseren Orientierungs-Wochenenden wollen wir Betroffenen die Möglichkeit geben, sich darüber klar zu werden, wie es von nun an weitergehen könnte". Neben der künstlerischen Verarbeitung der Krankheit werden während eines Orientierungs-Wochenendes in den Räumen des Mannheimer Klinikums Entspannungsübungen wie autogenes Training und intensive Gruppengespräche angeboten.

"Das Malen ist die nonverbale Ebene, um Gefühle wie Ängste und Wut, aber auch Hoffnung auszudrücken", so die Mannheimer Kunsttherapeutin. Die Frauen malen mit Gouache- und Temperafarben. Kräftige Farben und viele Naturmotive wie Blumen, Bäume, oder blauer Himmel signalisieren Hoffnung. Eine 39jährige Patientin, deren Krebs bereits in den Körper gestreut hat, stellt ihre körperliche Silhouette in den Mittelpunkt des Bildes, schwarz umrahmt und von kräftigen Farben umgeben. Auf der einen Brust ist eine Narbe eingezeichnet, in der anderen ein Minus. Sie wurde ihr abgenommen.

Ein anderes Bild: Eine Patientin hat sich liegend in einer Röhre dargestellt, die Assoziation zur Computertomografie drängt sich auf. Außen herum ist die Welt draußen mit kräftigen Farben dargestellt. In Wechselausstellungen sollen die Werke der Patientinnen die Klinikgänge nun dauerhaft schmücken.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. Offenbar fällt es aber schon Kindern schwer, ihre Bewegungsmuster zu ändern. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethische Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »