Ärzte Zeitung, 08.07.2008

Leise, langgehaltene Töne für Frühchen

Krankenhaus in Bethel erprobt erfolgreich musiktherapeutisches Konzept / Selbsthilfegruppe plant Netzwerk-Aufbau

BIELEFELD (dpa/eb). Die Frühgeborenen-Intensivstation des Evangelischen Krankenhauses Bielefeld ist eine von fünf Kliniken bundesweit, die Musiktherapie bei Frühgeborenen anwenden.

 Leise, langgehaltene Töne für Frühchen

Singt für Frühchen: Musiktherapeutin Friederike Haslbeck legt ihre Hand auf den Kopf eines Babys. Foto. dpa

Sanft legt Musiktherapeutin Friederike Haslbeck eine Hand um den kleinen Kopf des Frühchens, die andere ruht auf dem schnell atmenden Körper. Sie beginnt eine einfache, ruhige Melodie zu summen. Meditative Stimmung kommt auf.

Selina ist erst acht Wochen alt. In der 26. Schwangerschaftswoche kam sie zur Welt - viel zu früh. Bis vor kurzem wurde sie noch beatmet, weil die Lungenfunktion noch nicht ausgereift war.

Selina ist angeschlossen an medizinische Geräte, eine gesteppte Decke über dem Inkubator soll sie vor zu viel Licht schützen und ihr das Gefühl vermitteln, noch im Bauch der Mutter zu sein. Ein Monitor zeigt Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung des Blutes und die Atmung kontinuierlich an.

"Die Musiktherapie ist ein Balance-Akt zwischen Anregung und Entspannung", erklärt Friederike Haslbeck. "Ich singe auf den Atemrhythmus, etwa drei Atemzüge sind ein langgehaltener Ton." Und es klingt wie ein meditatives Singen, das viele Emotionen transportiert und Geborgenheit und Kontakt vermittelt. Zehn bis zwanzig Minuten dauert das Singen für Selina.

"Ich habe nach dem Musikstudium und dem Aufbaustudium zur Musiktherapeutin diese Form der Therapie selbst entwickelt", sagt Friederike Haslbeck.

Oberärztin Ursula Weller ist überzeugt vom Erfolg "Die Kinder reagieren auf die Musik", sagt die Fachärztin für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin. "Nach der Therapie atmen sie gleichmäßiger und ruhiger." Je entspannter ein zu früh geborenes Kind sei, umso mehr Energie habe es für seine Entwicklung.

Monika Nöcker-Ribaupierre, Vorsitzende des Bundesverbandes "Das frühgeborene Kind" ist überzeugt von diesem Ansatz. Sie will ein Netzwerk aufbauen, damit die Musiktherapie in mehr Kliniken eingesetzt wird.

Weitere Informationen: www.fruehgeborene.de

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