Ärzte Zeitung online, 14.08.2008

Medizinstudium in Kanada: Ohne Vorstudium und Tests geht nichts

TORONTO.Der Kollege in spe und freie Mitarbeiter der "Ärzte Zeitung" Jan-Malte Ambs hat sich nach Toronto aufgemacht, um dort zu famulieren. Interessant ist, welche Unterschiede es in Kanada im Vergleich zum Medizinstudium in Deutschland gibt.

Von Jan-Malte Ambs

Foto: rrruss©www.fotolia.de

Das Medizinstudium in Kanada unterscheidet sich in vielen Aspekten von der deutschen Ausbildung. Grundsätzlich erscheinen mir meine kanadischen Kommilitonen besser in den klinischen Alltag integriert. Doch bis zur "medical school", an der das eigentliche Medizinstudium absolviert wird, ist es ein langer Weg.

Das Medizinstudium wird nicht wie bei uns direkt nach dem Schulabschluss aufgenommen. Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Bachelor-Studium. Dies dauert in der Regel zwischen zwei und vier Jahren. Meistens studieren die Kanadier natur-wissenschaftlichen Grundlagenfächern wie Physik, Chemie oder Biologie. An fast allen Universitäten werden auch sogenannte Pre-Med-Programme angeboten, welche alle für die Medizin relevanten Grundlagenfächer enthalten. Theoretisch kann man sich aber mit jedem Bachelorabschluss für das Medizinstudium bewerben - also zum Beispiel auch mit Management, International Affairs oder Mathematics.

Vor der eigentlichen Bewerbung steht jedoch eine große Hürde: der "Medical College Admissions Test", kurz MCAT. Dieser Test dauert vier bis fünf Stunden und enthält Multiple-Choice-Fragen zu Chemie, Physik und Biologie, einen Teil zu Sprachkompetenz und zwei Aufsätze. Mit dem Bachelor-Degree und der Note aus dem MCAT bewirbt sich der angehende Mediziner nun bei der Universität seiner Wahl. Die endgültige Auswahl findet über Interviews statt. Auch softs kills wie etwa ehrenamtliche Arbeit neben dem Studium oder erste Erfahrungen in der Forschung können die Entscheidung positiv beeinflussen.

In Kanada gibt es insgesamt 17 medizinische Fakultäten. Die größte ist die der Universität von Toronto, die kleinste die der Memorial Universität von Newfoundland. Die frankophone Universitäten in Quebec und die bilinguale Universität von Ottawa und einige wenige anglophone Universitäten verzichten auf den MCAT als Auswahlkriterium.

Das Studium an der "medical school" dauert vier Jahre. Die erste Hälfte besteht aus Fächern wie Anatomie, Physiologie, Pathologie, Pharmakologie, Genetik, Ethik und Mikrobiologie.

Das dritte und vierte Jahr der "medical school" bestehen aus so genannten "clinical clerkships": Die Studenten sind nun ein Teil des Ärzteteams im Krankenhaus, arbeiten eigenverantwortlich bei der Patientenbetreuung mit und werden auf vielen Stationen sogar für die Rufbereitschaft eingeteilt.

Der Unterricht findet täglich auf den jeweiligen Stationen statt. Die Studenten rotieren durch alle wichtigen klinischen Fachbereiche und verbringen dort mindestens sechs Wochen pro rotation. Außerdem sind noch 12 Wochen "electives" vorgesehen. Hier können die Kanadier ähnlich wie bei unseren Famulaturen in Kliniken ihrer Wahl für sie interessante Fachbereiche ausprobieren.

Die "medical schoo"l endet mit einer schriftlichen Prüfung, die teils Multiple Choice, teils Freitext-Antworten enthält. Im Anschluss erhalten die Absolventen automatisch den Titel M.D., medical doctor.

Zur Person:

Jan-Malte Ambs ist freier Mitarbeiter der "Ärzte Zeitung" und studiert im 10. Semester Medizin und Journalistik an der Universität Hamburg. Zur Zeit macht er eine Famulatur in der Neurologie am Toronto Western Hospital.

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