Ärzte Zeitung online, 14.08.2008

Hochschul-Abschluss wird immer häufiger von Eltern "vererbt"

BERLIN (dpa). An deutschen Universitäten studieren immer mehr Akademikerkinder. Hatten 1993 erst 49 Prozent aller Studienanfänger einen Vater oder eine Mutter mit akademischer Ausbildung, so waren dies 2007 schon 60 Prozent.

Dies zeigt eine neue Untersuchung der Konstanzer Hochschulforscher um Tino Bargel für das Bundesbildungsministerium. Am ausgeprägtesten ist diese "Bildungsvererbung" laut Studie in der Medizin, wo bei 66 Prozent der Studenten mindestens ein Elternteil einen Universitätsabschluss hat.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) forderte am Donnerstag die Schulen auf, "dafür zu sorgen, dass die Chancen zum Erwerb eines höheren Schulabschlusses ausschließlich von der Leistung der Schüler und nicht von ihrer sozialen Herkunft abhängig sind". Dazu gehöre, leistungsstarke Kinder aus bildungsfernen Schichten in der Oberstufe der Gymnasien "aktiv zu unterstützen". Auch müssten die "starren Zugangsbeschränkungen" für ein Hochschulstudium überdacht und die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung erhöht werden.

Noch in den 60er Jahren galten die Universitäten "als Domäne der Männer", heißt es in der Studie weiter. Heute dagegen sind rund 50 Prozent der Studierenden junge Frauen. Während geschlechtsspezifische Benachteiligungen ausgeglichen werden konnten, gelte dies nicht für die Frage der sozialen Herkunft. An den Universitäten sei "keine weitere Öffnung für neue Kreise der Bildungsaufsteiger festzustellen".

Der Hochschulforscher Bargel analysiert mit seinem Team seit 25 Jahren das soziale Profil der Studierenden, ihre Studienstrategie und beruflichen Erwartungen sowie ihre Reaktionen auf den sich ändernden Arbeitsmarkt. Dazu werden im dreijährigen Abstand auch in einem "Studierendensurvey" jeweils über 8000 Teilnehmer befragt.

Der Umfrage zu folge sind die Studierenden heute mit der Qualität des Studiums zunehmend zufrieden. Viele wünschen sich allerdings eine bessere Betreuung im Studium und beim Übergang in den Arbeitsmarkt sowie mehr Praxisbezug. Dennoch überwiegen in der Bilanz erstmals die positiven Bewertungen in allen abgefragten Bereichen. Dies gilt sowohl für die inhaltliche Qualität, für den Aufbau des Studienganges, für die Lehre sowie auch für die Beratung.

Die Untersuchung belegt auch: Trotz des hohen Frauenanteils unter den Studierenden folgt die Wahl des Fachs noch immer traditionellen Bahnen. Nach wie vor gibt es nur wenige Studentinnen in den mathematischen, informationstechnischen, naturwissenschaftlichen, oder technischen Studiengängen. Schavan sagte, bereits die Schulen müssten mehr Mädchen für mathematisch- und naturwissenschaftliche Leistungskurse gewinnen.

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