Ärzte Zeitung online, 22.08.2008

Auch Meeresalgen können Sonnenbrand bekommen

BREMERHAVEN (eb). Nicht nur Menschen, auch viele Pflanzen reagieren empfindlich auf erhöhte UV-Bestrahlung und können Sonnenbrand bekommen. Das Ergebnis sind schwarze Flecken, bleiche Blätter und faule Stellen. Sonnebrand bei Rotalgen äußerst sich in weißen Spitzen.

Da Algen sich nicht wie Menschen mit Sonnencreme einreiben können, entwickeln sie eigene Strategien, um sich vor der Sonne zu schützen. "Eine Rotalgenart bildet beispielsweise unter UV-Strahlung weniger rote Lichtsammlerproteine und vermindert so die Strahlungsabsorption. Die typische rote Farbe der Alge verschwindet dann und die Pflanze bekommt weiße Spitzen," erklärt Professor Christian Wiencke, Meeresbiologe am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft. "Zusätzlich bildet die Alge Substanzen aus, die ganz ähnlich wirken wie das Melanin in der menschlichen Haut: Die Mycosporin-ähnlichen Aminosäuren, MAA's genannt." Melanin absorbiert die UV-Strahlung, schützt so die menschliche Haut und sorgt nebenbei für die natürliche Sonnenbräunung.

Auch Algen leiden unter dem Ozonloch

Normalerweise fängt die Ozonschicht einen Großteil der energiereichen, kurzwelligen und schädlichen UV-Strahlung der Sonne ab. Doch durch die Abnahme der stratosphärischen Ozonkonzentration, dringen diese gefährlichen Strahlen vermehrt zur Erdoberfläche und damit auch in das Meerwasser vor.

An der deutsch-französischen Forschungsstation AWIPEV auf Spitzbergen, werden zurzeit in internationaler Zusammenarbeit umfangreiche biologische Untersuchungen zu dieser Problematik durchgeführt. "Wir untersuchen die schädigende Wirkung der UV-Strahlung auf die Algen und deren Schutzmechanismen," so Wiencke. Die UV-Strahlung schädigt vor allem die Photosynthese und die Erbsubstanz der Algen. Diese reagieren zu meist mit einer niedrigeren Wachstumsrate oder einer Abnahme des Fortpflanzungserfolgs.

Besonders empfindlich sind die Sporen der Algen

Als äußerst empfindlich erwiesen sich die Sporen und Keimzellen der Algen, die als Einzeller im Wasser treiben. Bereits geringe UV-Dosen schädigen sie und verhindern, dass sie auskeimen. "Unsere Untersuchungen zeigen, dass die Verbreitung bestimmter Braunalgenarten durch das UV-Strahlungsklima begrenzt wird. Erhöht sich die UV-Strahlung, werden die Algen in tiefere Wasserschichten verdrängt."

Für Wiencke und seine Kollegen sind die Forschungsbedingungen auf Spitzbergen optimal: "Wir wollen die Entwicklung mariner Küstenökosysteme angesichts globaler Umweltveränderungen beobachten. Dabei spielt nicht nur die erhöhte UV-Strahlung eine Rolle, sondern auch die Wassertemperatur, die durch den Treibhauseffekt erhöht wurde. Diese Temperaturzunahme ist auf Spitzbergen, im atlantischen Sektor der Arktis besonders stark spürbar."

Alfred-Wegener-Institut

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren und hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

www.awi.de

Topics
Schlagworte
Panorama (30363)
Wirkstoffe
Aminosäuren (142)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Antibiotika gegen Rückenschmerzen

Verursachen Bakterien heftige Bandscheiben-Beschwerden? Für Forschungen zur Behandlung von Rückenschmerzen mit Antibiotika wurde jetzt der Deutschen Schmerzpreis verliehen. mehr »

Ethikrat sucht nach dem goldenen Mittelweg

Wann ist eine medizinische Zwangsbehandlung fürsorglicher Schutz, wann ein unangemessener Eingriff? Diesen Fragen widmet sich aktuell der Deutsche Ethikrat. mehr »

Ein Wettbewerbsverbot ohne Entschädigung ist ungültig

Wettbewerbsverbot ohne Karenzentschädigung? Das geht nicht, urteilt das Bundesarbeitsgericht. Ist das im Arbeitsvertrag dennoch so vorgesehen, können Arbeitnehmer nachträglich aber kein Geld einklagen. mehr »