Ärzte Zeitung online, 26.08.2008

Neandertaler aßen Fleisch in rauhen Mengen - aber keinen Fisch

BONN/LEIPZIG (dpa). Der weltberühmte Neandertaler, dessen Skelett 1856 nahe der rheinischen Stadt Mettmann entdeckt worden ist, ernährte sich fast ausschließlich von Fleisch. Das hat jetzt eine Isotopen-Untersuchung an dem im Rheinischen Landesmuseum Bonn aufbewahrten Urmenschen-Fossil ergeben.

Isotope sind verschiedene Varianten eines chemischen Elements. Zur großen Überraschung der Wissenschaftler verschmähte der rheinische Neandertaler Fisch, obwohl er längs des Rhein-Nebenflusses Düssel gelebt hatte. Das berichtete der Leiter des Neandertaler-Forschungsprojekts, der Urgeschichtler Privatdozent Ralf W. Schmitz der dpa.

Der vor 42 000 Jahren gestorbene historische Namenspatron des populären Urmenschen hatte denselben einseitigen Speiseplan wie seine übrigen europäischen Artgenossen. Knochen von acht Neandertalern aus rund 100 000 Jahren, die zwischen Frankreich und Kroatien gefunden wurden, waren bereits untersucht worden. Alle erwiesen sich als extreme Fleischesser, deren Ernährungsgewohnheiten mit denen fleischfressender Tiere wie etwa Wölfen zu vergleichen sei.

Mit der jüngsten Forschungsarbeit lägen nun erstmals auch Daten zur Ernährung des Neandertalers aus dem Norden Mitteleuropas vor, sagte Professor Michael P. Richards vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie Leipzig.

Einbezogen in die Untersuchung war auch der erst 1997 entdeckte Neufund des Armknochens eines zweiten Neandertalers von der historischen Fundstätte. Die Isotopen-Daten von Stickstoff und Kohlenstoff in den Knochen, die mit den Werten fleisch- und pflanzenfressender Tiere verglichen werden, geben Auskunft über die Ernährungsweise der letzten Lebensjahre.

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