Ärzte Zeitung online, 26.08.2008

Statistik: Europa vergreist - und Deutschland am schnellsten

BRÜSSEL/LUXEMBURG (dpa). Europa vergreist, und die Arbeitnehmer müssen sich deshalb auf ein längeres Arbeiten bis zur Rente einstellen. Nach neuen Berechnungen des Europäischen Statistikamtes Eurostat dürfte sich der Anteil von Rentnern im Verhältnis zu Erwerbstätigen in der EU bis 2060 mehr als verdoppeln. Dann müssten EU-weit nur noch knapp zwei statt wie bisher rund vier Arbeitnehmer einen Rentner finanzieren.

"Das bedeutet möglicherweise, dass wir in Zukunft noch länger arbeiten müssen, um das Rentensystem aufrecht zu erhalten", sagte EU- Kommissionssprecherin Amelia Torres bei der Vorstellung der Zahlen am Dienstag in Brüssel. Die EU-Staaten müssten aktiv werden, um die Entwicklung noch abzuwenden.

Deutschland ist den Schätzungen zufolge stärker von der drohenden Rentenproblematik betroffen als andere EU-Länder. Laut Eurostat wird das Verhältnis von Rentnern zu Arbeitnehmern in Deutschland im Jahr 2060 bei rund 59 zu 100 liegen. Im EU-Schnitt wird dieser sogenannte Altersquotient voraussichtlich nur 53,5 Prozent betragen.

Zudem vergreist Deutschland den Statistikern zufolge schneller als der Rest der EU. So wird 2035 fast jeder dritte Bundesbürger (30,2 Prozent) laut den Angaben älter sein als 65. EU-weit wäre 2035 erst jeder vierte Bürger (25 Prozent) in diesem Alter. Für das Jahr 2060 erwarten die EU-Statistiker 32,5 Prozent von Über-65-Jährigen in Deutschland und 30,0 Prozent europaweit.

Die Bevölkerung in Deutschland wird laut Eurostat bis 2060 außerdem um fast 14 Prozent von derzeit rund 82 auf knapp 71 Millionen schrumpfen. Damit würde Deutschland als derzeit bevölkerungsreichstes EU-Land hinter Großbritannien (dann 77 Millionen) und Frankreich (voraussichtlich 72 Millionen) rutschen. Der Grund hierfür sei, dass Deutschland weniger Geburten und eine deutlich höhere Sterberate als die beiden Länder zu erwarten habe.

Angesichts dieser Zahlen müsse die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie in der EU weiter verbessert werden, sagte eine Sprecherin von Sozialkommissar Vladimir Spidla. "Derzeit planen Familien oft zwei Kinder, bekommen aber nur eins, weil ihr Job es nicht zulässt." Auch werde es nötig sein, ältere Arbeitnehmer stärker in den Arbeitsmarkt zu integrieren, erklärte Spidla-Sprecherin Katharina von Schnurbein

Eine weitere Herausforderung dürfte laut Schnurbein die Frage der Integration von Migranten sein: Allein in Deutschland werden laut Eurostat bis 2060 knapp 8 Millionen neue Einwanderer erwartet.

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