Ärzte Zeitung online, 27.08.2008

Leichen der Montblanc-Bergsteiger geortet - Opfer aus Süddeutschland

PARIS (dpa). Zwei Tage nach dem Lawinenunglück am Montblanc hat die französische Gendarmerie die Leichen der Bergsteiger geortet und teilweise identifiziert. Sieben der acht verschütteten Kletterer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz konnten mit Hilfe von Signalen aus ihren Lawinenwarnsystemen lokalisiert werden.

Drei der vier getöteten Deutschen stammen aus Süddeutschland. Nach Angaben des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) in München sind unter den Toten zwei aus Bayern stammende Bergsteiger und nach Polizeiangaben aus Baden-Württemberg ein 43 Jahre alter Mann aus Kressbronn am Bodensee. Über den vierten toten Kletterer aus Deutschland ist noch nichts bekannt. Die Unglücksopfer, darunter auch drei Schweizer und ein Österreicher, waren mehr als 1000 Meter in die Tiefe gerissen worden.

Bei den Opfern aus Bayern handelt es sich um ein Paar aus Oberreute im Landkreis Lindau, wie eine Sprecherin des dortigen Gästeamtes der Deutschen Presse-Agentur dpa bestätigte. Die 31-jährige Frau und ihr 28 Jahre alter Lebensgefährte stammten aus dem Ort und hatten sich zu einer Bergtour am Montblanc eingefunden.

Es wird zunächst keine Suchaktion geben

Wie die Gendarmerie in Chamonix mitteilte, wird es zunächst keine Suchaktion zur Bergung der Leichen geben. Die Toten lägen unter einer bis zu 80 Meter dicken Eisschicht. "Das Risiko weiterer Lawinen ist zu groß. Wir werden nicht das Leben der Rettungskräfte aufs Spiel setzen, um die Leichen zu bergen", sagte der stellvertretende Bürgermeister von Chamonix Jean-Louis Verdier. Bis die Leichen durch Schneeschmelze wieder freigegeben werden, können Monate oder Jahre vergehen.

Nach weiteren Angaben der Gendarmerie waren die Bergsteiger in zwei Seilschaften unterwegs. Die erste Seilschaft soll aus einem Bergführer aus Tirol und den vier Deutschen bestanden haben. Zur zweiten Seilschaft gehörten vermutlich ein 32 Jahre alter Schweizer Bergführer und ein Schweizer Paar im Alter von 28 und 34 Jahren. Die Lawine ging gegen drei Uhr nachts in 3600 Meter Höhe auf einer Breite von 50 Metern und eine Länge von etwa 200 Metern ab.

Über die Nationalität der Opfer hatte zunächst Unklarheit geherrscht. In den ersten Stunden nach dem Drama war von fünf Österreichern und drei Schweizern die Rede gewesen. Bei dem Lawinenunglück - das schwerste seit Jahren - wurden weitere Bergsteiger leicht verletzt, darunter fünf Franzosen und drei Italiener.

Die Bergsteiger haben sich nicht riskant verhalten

Der italienische Bergsteiger Hans Kammerlander sagte am Dienstag in einem Interview mit NDR Info, den Bergsteigern am Montblanc könne kein Vorwurf gemacht werden. "Das ist unvorhergesehen, was da passiert ist." Der Unfall sei "zu hundert Prozent als Pech" zu bezeichnen. Der 51-Jährige sagte zudem, das Können der Leute sei allerdings inzwischen auf einem niedrigen Niveau. Es sei einfach die Masse, "die gelockt wird, von kommerziellen Anbietern, (...), und plötzlich stehen die Leute vor einem Berg, und dann merken sie, da wollten sie eigentlich auch gar nicht hin."

Zum Zeitpunkt des Unglücks sollen mehr als 40 Bergsteiger im Montblanc-Massiv unterwegs gewesen sein. Der 4250 Meter hohe Montblanc du Tacul gehört zu dem Massiv und ist bei Bergsteigern sehr beliebt. Seit Anfang des Sommers sind in den französischen Alpen 30 Menschen ums Leben gekommen.

Die "Frankfurter Rundschau" berichtete am Dienstag, dass die Zahl tödlicher Abstürze beim Bergsteigen nicht zugenommen hat. "Wir hatten dieses Jahr mehr große Unfälle, angefangen mit dem Zugspitzlauf, dann den Nanga Parbat und den K2", sagte die Sprecherin des Deutschen Alpenvereins, Andrea Händel, dem Blatt. "Aber insgesamt muss man sagen, ist es ein durchschnittlicher Sommer." Der Klimawandel verursache zwar vereinzelt mehr Bergunfälle nach Eisabbrüchen - dies bedeute aber keine signifikante Steigerung.

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