Ärzte Zeitung, 01.09.2008

Arzt: "Lage in Georgien ist dramatisch"

Chronisch Kranken fehlen Medikamente  /  Vor allem ältere Menschen blieben in den Dörfern zurück

TIFLIS (dpa). In der von russischen Soldaten in Georgien kontrollierten Pufferzone vor Südossetien benötigen bis zu 10 000 Menschen nach Angaben des Marburger Arztes Dr. Richard Munz dringend humanitäre Hilfe.

Arzt: "Lage in Georgien ist dramatisch"

Der Chirurg Dr. Richard Munz weist auf die katastrophalen Zustände in der russischen Pufferzone vor Südossetien hin. Er arbeitet dort fürs Internationale Rote Kreuz.

Foto: dpa

"Die Lage ist dramatisch, betroffen sind vor allem kranke und ältere Menschen, die ihre Dörfer nicht verlassen konnten", sagte der Mediziner von der Marburger Universitätsklinik in einem Gespräch mit der dpa. Munz ist im Einsatz für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), der einzigen in der Sicherheitszone bisher zugelassenen Organisation.

"In den Dörfern leben noch etwa zehn Prozent der ursprünglichen Bevölkerung - Menschen, die von ihren geflüchteten Angehörigen zurückgelassen wurden, deren chronische Krankheiten sich durch Medikamentenmangel verschlechtern", so Munz. In den georgischen Dörfern sei die Versorgung mit Wasser und Strom zusammengebrochen. "Diese Bewohner sind jetzt am schlimmsten von allen betroffen. Wenn ihnen nicht geholfen wird, werden sie den Winter nicht überstehen."

Die etwa 25 Kilometer breite Pufferzone erstreckt sich nördlich der georgischen Stadt Gori bis zur Grenze der Region Südossetien, die völkerrechtlich zu Georgien gehört, aber unter internationalem Protest von Russland als unabhängig anerkannt wurde. Munz, der bereits 30 Kriseneinsätze weltweit absolviert hat, schilderte die starken Zerstörungen in der Zone. Viele Häuser seien unbewohnbar. "Je näher man der südossetischen Hauptstadt Zchinwali kommt, desto deutlicher werden die Kriegsschäden."

Nach Angaben des Roten Kreuzes ist die Sicherheitslage in der Pufferzone weiter angespannt wegen großer Mengen herumliegender Munition und Waffen. Munz gehört zum IKRK-Büro in Gori mit insgesamt 17 Helfern, von denen einige täglich die russischen Checkpoints zur Pufferzone passieren. Der Marburger Arzt wird von georgischem medizinischen Personal und Dolmetschern bei der Arbeit unterstützt.

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