Ärzte Zeitung online, 08.09.2008

Beinamputierte Tänzerin rührt bei Eröffnung der Paralympics Milliarden

PEKING (dpa). Die elfjährige Li Yue, die bei der Eröffnung der Paralympischen Spiele in Peking im Rollstuhl nur mit Oberkörper, Armen und Händen im Ballett getanzt hat, rührt das chinesische Milliardenvolk. Das Mädchen ist die einzige Überlebende ihrer Klasse, nachdem ihre Schule bei dem verheerenden Erdbeben am 12. Mai in der Südwestprovinz Sichuan eingestürzt war.

Als die Bergungsmannschaften nach mehr als 40 Stunden schon die Hoffnung aufgegeben hatten, wurde Li Yue tief unter den Trümmern verschüttet gefunden. Um sie zu bergen, musste allerdings ihr linkes Bein amputiert werden. Erst nach 70 Stunden konnte die Elfjährige schließlich gerettet werden.

Trotz Amputation hat Li Yue den Traum vom Ballett nie aufgegeben

Ihren Traum vom Ballett hat das Mädchen, das als vielversprechende Tänzerin galt, gleichwohl nie aufgegeben. "Als wir die Geschichte von Li Yue gehört hatten, waren wir sehr bewegt und entschieden uns, sie für die Darbietungen bei der Eröffnungsfeier einzuladen", sagte Regisseur Zhang Jigang der Nachrichtenagentur Xinhua. "Wir hoffen, dass wir ihren Traum vom Ballett verwirklichen und gleichzeitig unsere Unterstützung und Fürsorge für die Menschen im Katastrophengebiet vermitteln können."

Die Proben dauerten manchmal bis Mitternacht

Bei den täglichen Proben, die manchmal bis Mitternacht dauerten, sei Li Yue manchmal vor Müdigkeit im Rollstuhl eingeschlafen, dann aber sofort wieder voll bei der Sache gewesen. In der Aufführung vor 91 000 Zuschauern im "Vogelnest" genannten Nationalstadion trug Li Yue einen roten Ballettschuh am rechten Fuß und tanzte im Rollstuhl sitzend mit fliegenden Armen und graziösen Bewegungen des Oberkörpers zum "Bolero" vom Maurice Ravel. Das Mädchen stand im Mittelpunkt von rund 100 tauben Tänzerinnen, die Ballettschuhe an den Händen trugen, mit denen sie sitzend zu der auf- und abschwellenden Musik des französischen Komponisten auf dem Boden tanzten.

Für viele Zuschauer war der Auftritt von Li Yue der Höhepunkt

Der berühmte chinesische Balletttänzer Lu Meng hob Li Yue schließlich aus ihrem Rollstuhl hoch und trug sie hoch auf seinem Arm. Mit perfekter Haltung saß die Elfjährige schließlich auf seinen Schultern, als das Publikum ihr begeistert immer wieder "Bravo" zurief. "Einigen kamen sogar die Tränen", schrieb Xinhua. Auch Bundespräsident Horst Köhler war überrascht von den Emotionen. "Das vergisst sie ihr Leben lang nicht."

Für viele Zuschauer war der Auftritt der gefühlsmäßige Höhepunkt der spektakulären Feier unter dem Motto "Fliege mit dem Traum". Auch wenn die Darbietung "schmerzhafte Erinnerungen" an das Erdbeben geweckt habe, sei das Mädchen doch "ein Symbol für all jene, die niemals ihren eigenen Traum aufgeben", schrieb die Tageszeitung "China Daily".

Bei dem Erdbeben im Mai waren besonders viele Schulen eingestürzt

Der Einsturz besonders vieler Schulen bei dem Erdbeben in Sichuan, in deren Trümmer tausende Kinder ums Leben gekommen sind, ist ein heikles Thema in China. Angehörige und Experten machen Pfusch am Bau und Korruption dafür verantwortlich, dass die Schulen anders als viele Behördengebäude nicht den Erdstößen standhalten konnten. Kritiker sind mundtot gemacht worden. Einige Eltern erhielten nur unter der Bedingung Entschädigungen, dass sie schweigen und nicht weiter protestieren.

Die Zensur erlaubt den staatlich kontrollierten Medien in China auch nicht, dem Thema eigenständig nachzugehen. Bei dem Erdbeben sind wahrscheinlich mehr als 80 000 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 10 000 Menschen gelten heute noch als vermisst.

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