Ärzte Zeitung online, 10.09.2008

Das Teilchenforschungszentrum CERN entwickelte auch das World Wide Web

GENF (dpa). Die populärste Errungenschaft des europäischen Teilchenforschungszentrums CERN bei Genf benutzen heute weltweit nahezu anderthalb Milliarden Menschen: Das World Wide Web - 1990 am CERN erfunden, um den Physikern den Datenzugriff zu erleichtern - hat sich von den Laboren in der Schweiz in rasender Geschwindigkeit um die Welt gewoben, den Zugang zu Information revolutioniert und neue Wirtschaftszweige entstehen lassen.

Dabei ist das "WWW" lediglich eins von vielen Nebenprodukten aus dem 1954 gegründeten Forschungszentrum, an dem bis zu 10 000 Menschen aus rund 80 Nationen arbeiten.

Die Experimente beim CERN haben unser heutiges Verständnis der Welt entscheidend geprägt und auch zahlreiche Alltagsanwendungen hervorgebracht. So sind Detektortechniken der Teilchenphysik in der medizinischen Diagnostik heute weit verbreitet, und auch Teilchenbeschleuniger für die Krebstherapie sind nichts Ungewöhnliches mehr.

Die Gründung des CERN galt als wichtiger politischer Schritt

Die Arbeit schlägt sich aber nicht nur in Physik und Technik nieder. Die Gründung des CERN ("Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire" - Europäischer Rat für Kernforschung) galt auch als wichtiger politischer Schritt. Menschen aus verschiedenen Nationen, unter anderem auch aus den damaligen Ostblockstaaten, haben sich dort persönlich kennengelernt und zusammengearbeitet.

Wissenschaftliche Zusammenarbeit hat sich als lohnender Schritt auf dem Weg zu politischer Kooperation bewährt. Das gilt bis heute: "Wir haben Wissenschaftler aus Indien und Pakistan, aus arabischen Staaten und Israel und Iran und den USA, die bei uns zusammenarbeiten", betont CERN-Generalsekretär Maximilian Metzger. Die CERNianer sehen sich gern als eine Art kleine Vereinte Nationen.

20 Länder sind inzwischen am weltgrößten Teilchenforschungszentrum beteiligt. Das CERN verfügt in diesem Jahr über ein Budget von 564,7 Millionen Euro. Jeder fünfte Euro kommt aus Deutschland, die Bundesrepublik ist damit der größte Geldgeber.

www.cern.ch

Lesen Sie auch:
Ring frei für Teilchenbeschleuniger LHC in Genf - Der erste Strahl hat die Umrundung geschafft

Topics
Schlagworte
Panorama (30367)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Antibiotika gegen Rückenschmerzen

Verursachen Bakterien heftige Bandscheiben-Beschwerden? Für Forschungen zur Behandlung von Rückenschmerzen mit Antibiotika wurde jetzt der Deutschen Schmerzpreis verliehen. mehr »

QuaMaDi wird fortgesetzt

Aufatmen im Norden: KV und Kassen haben sich auf den Fortbestand des Brustkrebsfrüherkennungsprogramm QuaMaDi geeinigt. mehr »

Ethikrat sucht nach dem goldenen Mittelweg

Wann ist eine medizinische Zwangsbehandlung fürsorglicher Schutz, wann ein unangemessener Eingriff? Diesen Fragen widmet sich aktuell der Deutsche Ethikrat. mehr »