Ärzte Zeitung online, 22.09.2008

"Ike"-Flüchtlinge vor Heimkehr - Lage weiter verheerend

WASHINGTON (dpa). Gut eine Woche nach dem verheerenden Zug von Hurrikan "Ike" über Texas müssen Zehntausende Menschen weiter fern ihrer Heimat ausharren. Die Behörden wollen erst in dieser Woche allmählich die Rückkehr von 45 000 Flüchtlingen zulassen, die von der vor Houston gelegene Insel Galveston aufs Festland geflohen waren.

Insgesamt hielten sich am Samstag nach Medienberichten noch etwa 20 000 Texaner in Notunterkünften auf, etwa weitere 10 000 sind mittlerweile auf Kosten der Behörden in Hotelzimmern untergebracht.

Gut 1,2 Millionen Menschen verbrachten auch die Nacht zum Sonntag im Dunkeln - und die Elektrizitätsgesellschaften wiesen darauf hin, dass es für Tausende von ihnen noch Tage oder sogar Wochen so bleiben könnte. Die Zahl der Todesopfer durch "Ike", der nach dem Aufprall auf die texanische Küste in der Nacht zum 13. September auch in neun anderen US-Bundesstaaten teils schwere Überschwemmungen angerichtet hatte, liegt bei 61.

Allerdings gehen die Behörden nach wie vor davon aus, dass Menschen durch die hohen Flutwellen an der Küste in den Golf von Mexiko gerissen worden sein könnten. Spezialteams versuchen nach wie das Schicksal von Bewohnern zu klären, die von Nachbarn oder Angehörigen als vermisst gemeldet worden sind. Die Schäden durch "Ike" werden auf mindestens sechs Milliarden Dollar geschätzt. Sie könnten nach Angaben von Versicherungsgesellschaften aber auch die Zehn-Milliarden-Marke erreichen.

Trotz Verbots durch die Behörden versuchten am Samstag Tausende der Galveston-Flüchtlinge, auf die Insel zurückzukehren. Stundenlang standen sie in ihren Autos auf den Zufahrtsstraßen im Stau - um dann an Kontrollstellen wieder abgewiesen zu werden. Ab Mittwoch soll die Heimkehr nach und nach erlaubt werden.

Allerdings warten auf viele der Einwohner katastrophale Verhältnisse. So kommt die Stromversorgung auf der Insel nur schleppend in Gang und auch die Versorgung mit Frischwasser ist nach Medienberichten vom Wochenende nicht dauerhaft gewährleistet. Noch immer sind Straßen unpassierbar, weil umgestürzte Bäume und Geröll den Weg versperren. Die Aufräumarbeiten der aus allen Landesteilen angerückten Hilfsteams sind mit Baggern und Kränen in vollem Gang.

Zunächst sollen die Menschen in die weniger zerstörten Gegenden zurückkehren dürfen. Allerdings wird es vorläufig eine Ausgangssperre von sechs Uhr abends bis sechs Uhr morgens geben.

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