Ärzte Zeitung online, 24.09.2008

Finnischer Amokläufer hat seine Tat offenbar viele Jahre lang vorbereitet

HELSINKI (dpa). Nach dem Amoklauf eines 22-Jährigen an der Berufsschule der westfinnischen Kleinstadt Kauhajoki herrschen im Land weiter Entsetzen und Trauer. Bei dem Blutbad hatte der 22 Jahre alte Matti Juhani Saari am Dienstag zehn Menschen erschossen, ehe er sich selbst tötete (wir berichteten). Als äußeres Zeichen der Anteilnahme sollen in Finnland am heutigen Mittwoch landesweit alle öffentlichen Gebäude auf Halbmast beflaggt werden.

Inzwischen wurde bekannt, dass der Amokläufer neben seiner halbautomatischen Pistole auch eine Tasche mit Sprengstoff in die Schule mitgebracht hatte, in der er am Dienstag das Blutbad anrichtete. Das bestätigte die Polizei in Kauhajoki. Der 22-Jährige soll nach offiziell nicht bestätigten Angaben der Zeitung "Ilta- Sanomat" gezielt Mitschüler erschossen haben, bevor er die Waffe gegen sich selbst richtete. Unter den Todesopfern war den Berichten zufolge auch ein Lehrer. Die Identifizierung der Toten gestaltete sich schwieriger als zunächst angenommen, weil einige Körper durch den späteren Brand entstellt wurden.

Ministerpräsident hat Initiative Verschärfung der Waffengesetze angekündigt

Finnlands Ministerpräsident Matti Vanhanen will an diesem Mittwoch nach Kauhajoki kommen. Er hatte schon am Dienstag eine Initiative zur Verschärfung der als ausgesprochen liberal geltenden Waffengesetze angekündigt. Der Amokläufer hatte vor einem Monat einen Waffenschein erhalten und war erst am Montag von einem Polizisten wegen seines Gewalt-Videos im Internet vorgeladen worden. Nach dem Gespräch sei "das Einziehen der Waffe erwogen" worden, doch habe man schließlich keinen Grund zum Einschreiten gesehen, erklärte ein Sprecher.

32 von 100 Menschen in Finnland haben legal eine Waffe

In Finnland kommen auf 100 Bürger 32 legal erworbene Waffen. Im vergangenen November hatte ein 18-jähriger Abiturient im finnischen Jokela sechs Mitschüler, die Rektorin und die Schulkrankenschwester erschossen. Anschließend nahm er sich das Leben. In beiden Fällen hatten die jungen Amokläufer legal mit Waffenschein erworbene Waffen für die Morde benutzt.

Finnischer Amokläufer hat Tat seit sechs Jahren vorbereitet

Der Mörder von zehn Mitschülern im finnischen Kauhajoki hat seinen Amoklauf sechs Jahre lang vorbereitet. Das ergab eine Durchsuchung des Zimmers des 22-jährigen Täters in einem Studentenwohnheim der westfinnischen Kleinstadt. Man habe viel Material gefunden, mit dem der Schüler an der örtlichen Berufsschule seinen "grenzenlosen Hass auf alle Mitmenschen" zum Ausdruck gebracht habe, gab ein Kripobeamter am Mittwochmorgen im Fernsehen an.

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