Ärzte Zeitung online, 17.10.2008

Katholische Kirche kritisiert erstes "Designerbaby" Spaniens

MADRID (dpa). Die katholische Kirche Spaniens hat die Geburt des ersten "Designerbabys" in dem Land scharf kritisiert. Die genetische Selektion von Embryonen sei kein wissenschaftlicher Fortschritt oder Erfolg sondern entwürdige den Menschen, weil dieser nur noch nach seinem Nutzwert beurteilt werde, erklärte die Bischofskonferenz am Freitag in Madrid.

Es werde verschwiegen, dass bei der Präimplantationsdiagnostik genetisch ungeeignete Embryonen zerstört würden. "Den Geschwistern des Neugeborenen ist damit das Grundrecht auf Leben verwehrt worden."

Der im südspanischen Sevilla geborene Javier soll seinen schwer kranken Bruder Andrés heilen. Der Sechsjährige leidet an Thalassämia major, einer genetisch bedingten und unheilbaren Bluterkrankung. Nach einer künstlichen Befruchtung hatten die Ärzte mithilfe der Präimplantationsdiagnostik denjenigen Embryo ausgewählt, der den Gendefekt nicht aufweist und genetisch am besten zu Andrés passt. Mit den Zellen aus dem Nabelschnurblut seines kleinen Bruders soll er nun eine Knochenmarktransplantation erhalten. Die Heilungschancen sehen die Ärzte bei 70 bis 90 Prozent.

Nach Ansicht der Bischofskonferenz ist Javier "instrumentalisiert" worden. "Ihm wurde das Recht genommen, seiner selbst willen geliebt zu werden."

Die Eltern des Jungen hatten dagegen betont, sich schon immer ein zweites Kind gewünscht zu haben. Dass Javier auch das Leben seines älteren Bruders retten könne, mache sie nur noch glücklicher.

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