Ärzte Zeitung online, 22.10.2008

Claus Hipp - Der Bio-Pionier und Künstler aus Leidenschaft wird 70

PFAFFENHOFEN (dpa). Millionen Babys sind mit seinen Produkten aufgewachsen: Innerhalb von vier Jahrzehnten hat Claus Hipp aus der Firma seiner Eltern im oberbayerischen Pfaffenhofen an der Ilm den größten Hersteller von Säuglingsnahrung in Deutschland gemacht. Am 22. Oktober feiert Hipp seinen 70. Geburtstag.

An den Ruhestand denkt der Vater von fünf Kindern aber noch lange nicht. "Solange ich gebraucht werde, mache ich gerne mit." Zusammen mit seinen Brüdern und Söhnen lenkt er immer noch die Geschicke des Unternehmens mit rund 1000 Beschäftigten und widmet sich daneben mit großer Leidenschaft der Malerei. Seine Bilder, die er mit seinem Taufnamen Nikolaus Hipp zeichnet, erzielen bei Kennern Spitzenpreise.

In die Firma seiner Eltern war Hipp nach einem BWL-Studium im Jahr 1963 eingetreten. Von Anfang an setzte er auf den Bio-Anbau von Obst und Gemüse und wurde damit von vielen Bauern belächelt. "Wir waren Außenseiter damals", erinnert sich Hipp. Er war aber überzeugt davon, dass chemische Rückstände in Säuglingsnahrung nicht nachträglich entfernt werden sollten, sondern von Anfang gar nicht hinein dürfen. "Nur das ist die korrekte Lösung." Dass die Bio-Bewegung einmal in Mode kommt, hatte er damals kaum zu hoffen gewagt.

Bio-Pionier Hipp arbeitet mit 6000 Bio-Bauern zusammen

Heute arbeitet Hipp mit 6000 Bio-Bauern zusammen, deren Qualität das Unternehmen regelmäßig kontrolliert. "Dafür stehe ich mit meinem Namen", wirbt Hipp seit Jahrzehnten mit einem Foto von sich auf seinen Produkten. Aus Sicht von Werbestrategen war diese personalisierte Werbung ein geschickter Schachzug, um das Vertrauen der Kunden im sensiblen Markt für Babynahrung zu gewinnen.

Obwohl Hipp im Vergleich zur Konkurrenz deutlich teurer ist, rückte die Firma mit einem Marktanteil von zuletzt 66 Prozent bei Babykost im Glas zum Marktführer in Deutschland auf. Im vergangenen Jahr steigerte das Unternehmen den Umsatz in Deutschland um rund 10 Millionen auf 260 Millionen Euro. Auch bei Erwachsenen ist die Babykost gefragt: Etwa jedes vierte Gläschen wird nach Schätzungen von Hipp von Erwachsenen verzehrt.

Wegen des Geburtenrückgangs in Deutschland setzt Hipp auf die Internationalisierung der Firma

Wegen des Geburtenrückgangs in Deutschland will Hipp vor allem die Internationalisierung der Firma vorantreiben. "Wir werden unser Wachstum mehr im Ausland machen können als im Inland." Zu den wichtigen Märkten im Ausland gehören für Hipp vor allem Großbritannien, Österreich und Frankreich. Schon bei der Babykost muss das Unternehmen dabei aber Rücksicht auf die unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten nehmen. So lasse sich Babynahrung mit Fisch in England gut verkaufen, in anderen Ländern aber kaum.

Hipp kommt noch immer täglich in sein Büro im Dachgeschoss der holzgetäfelten Firmenzentrale, in der mehrere seiner Bilder im Foyer ausgestellt sind. Nur etwas kürzergetreten ist er in den vergangenen Jahren. Während der Wecker früher immer um 4.30 Uhr klingelte, steht er inzwischen eine Stunde später auf. Sein erster Weg führt den bekennenden Katholiken jeden Morgen in die Kirche. Auf dem Weg in sein Büro schließt er die idyllisch auf einer Anhöhe gelegene Wallfahrtskapelle Herrenrast, die er vor rund 30 Jahren restaurieren ließ, für Besucher auf.

Sein zweiter Rückzugsort ist sein Atelier am Rande von Pfaffenhofen. In einem verwitterten Holzhaus mit Spinnweben an der Tür ist der Künstler Hipp in seinem Reich. Dort tauscht er Sakko gegen Malerschürze und widmet sich Pinsel und Staffelei. Auch Studenten der Kunstakademie im georgischen Tiflis, an der er einen Lehrstuhl hat, unterrichtet er dort. Seit wenigen Wochen ist Hipp auch Generalkonsul von Georgien und organisiert unter anderem Hilfstransporte in das Land.

Ein großes Fest zu seinem runden Geburtstag plant Hipp nicht. Den Tag will er am liebsten nur mit seiner Familie verbringen. Im Licht der Öffentlichkeit steht er dann wieder eine Woche später, wenn in München das neue Buch über Claus Hipp vorgestellt wird, in dem er seine Lebensmaxime vorstellen will: "Die Freiheit, es anders zu machen."

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