Ärzte Zeitung online, 22.10.2008

Schavan will getrennten Schulunterricht für Jungen und Mädchen

HAMBURG (dpa). Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat dafür geworben, Jungen und Mädchen teilweise getrennt zu unterrichten. "In einzelnen Fächern in bestimmten Altersstufen kann getrennter Unterricht von Jungen und Mädchen durchaus sinnvoll sein. In manchen Bundesländern sehen die Schulgesetze diese Möglichkeit auch vor."

Zur Begründung sagte Schavan dem "Hamburger Abendblatt" (Mittwoch): "Wir haben Erfahrungen, dass im Bereich der Naturwissenschaften oder der Sprachen es nicht immer gelingt, Jungen und Mädchen in gleicher Weise anzusprechen. Ein Vorsprung der einen oder der anderen ergibt sich daraus, dass eine gewisse Schwellenangst da ist." Unterricht müsse "so angelegt sein, dass Jungen und Mädchen gleichermaßen Zugang finden. Wo getrennter Unterricht das besser leiste, kann man ihn vorziehen."

Vor dem Bildungsgipfel von Bund und Ländern in Dresden verteidigte Schavan für die Einführung von Studiengebühren. Sie sagte der Zeitung: "Die Beiträge zum Studium stärken die Weiterentwicklung der Hochschulen. So werden sie auch von den meisten Studierenden wahrgenommen." Studiengebühren seien auch international üblich, fügte Schavan hinzu. "Haushalte von Hochschulen können nicht nur gespeist werden aus Mitteln der öffentlichen Hand."

Zwei Studien im Auftrag des Bildungsministeriums zeigen aus ihrer Sicht, dass die Gebühren kaum vom Studium abschrecken. Außerdem sei in den Bundesländern, in denen Studiengebühren erhoben werden, die Zahl der Studienanfänger jetzt deutlich gestiegen. Die Ministerin nannte den Vorwurf der SPD, sie habe unliebsame Erkenntnisse über Studiengebühren unterdrückt, falsch und leicht durchschaubar. "Die SPD wusste, dass es zwei Studien gibt, die gemeinsam präsentiert werden. Das geschieht, sobald die zweite Studie fertiggestellt ist. Es gibt auch keinen Grund, angesichts der Ergebnisse die Studien zurückzuhalten."

Im Abiturientenjahrgang 2006 verzichteten zwischen 6000 und 18 000 junge Menschen allein wegen der Gebühren auf ein Studium

Die Autoren der vom Bundesbildungsministerium bisher nicht veröffentlichten Studiengebühren-Studie bestätigten gleichwohl, dass vom Abiturientenjahrgang 2006 zwischen 6000 und 18 000 junge Menschen allein wegen der Gebühren auf ein Studium verzichtet haben (wir berichteten). "Überdurchschnittlich ausgeprägt ist der Studienverzicht bei Frauen und Kindern aus hochschulfernen Elternhäusern", heißt es in einer am Dienstagabend verbreiteten Erklärung des Hochschul-Informations-Systems (HIS) in Hannover, das die Studie im Auftrag des Bundesbildungsministeriums erstellt hat.

Schavan wies Forderungen von Ministerpräsidenten nach mehr Geld zurück. "Wir werden in Dresden den Forderungen nach Umsatzsteueranteilen nicht nachkommen." Im Vordergrund stehe vielmehr der "Konsens über Inhalte und Ziele der Weiterentwicklung des Bildungssystems". Die Ministerin setzte sich für ein bundesweit vergleichbares Abitur ein. "Ein Wechsel eines Schülers in ein anderes Bundesland darf nicht zum Fiasko werden", sagte sie der "Mittelbayerischen Zeitung" (Mittwoch) aus Regensburg. "Es wäre viel gewonnen, wenn wir uns darauf einigen könnten, was ein 18-Jähriger in der Schule gelesen haben sollte."

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