Ärzte Zeitung online, 31.10.2008

Australien lehnt Einwanderungsantrag eines deutschen Arztes mit behindertem Sohn ab

SYDNEY/SINGAPUR (dpa). Ein deutscher Arzt ist in Australien mit einem Einwanderungsantrag gescheitert, weil sein Sohn behindert ist. Der Junge hat das Down-Syndrom.

Australien lehnt Einwanderungsantrag eines deutschen Arztes mit behindertem Sohn ab.

Foto: dpa

Der 13-jährige Lukas könne dem Steuerzahler eines Tages zu sehr auf der Tasche liegen, beschied die Einwanderungsbehörde - und löste damit in Australien einen Sturm der Entrüstung aus. Internist Bernard Möller ist schwer enttäuscht. Er will Einspruch erheben.

Dr. Bernard Möller kam die Anwerbeaktion der australischen Gesundheitsbehörden vor zwei Jahren gerade recht. Die Australier suchten dringend einen Spezialisten für das unscheinbare Örtchen Horsham zwischen Melbourne und Adelaide. Ein Ort mit 13 000 Einwohnern, meilenweit vom Meer, mit einem Golfplatz und einer Wollfabrik als Hauptattraktion - um solche Posten machen die jungen australischen Ärzte einen großen Bogen.

Doch den Möllers gefiel das Angebot. Sie suchten genau so etwas. Klein, überschaubar, sicher für ihren Sohn. Ein Sonnenschein, wie seine Mutter Isabella in der Lokalpresse versichert. Lukas besucht in Horsham die Regelschule und wird dort zwar betreut, doch sind die Extra-Kosten minimal. "Wir wollten für ihn das bestmögliche Leben sicherstellen", sagt die Mutter. "Wir haben uns in aller Welt umgeschaut und waren zu dem Schluss gekommen, dass Australien das richtige Land für uns ist."

Doch hat die Einwanderungsbehörde nun Zweifel, dass Möller, der sich in Horsham innerhalb von zwei Jahren eine riesige Fangemeinde aufgebaut hat, das richtige für Australien ist. "Die Verweigerung der unbefristeten Aufenthaltsgenehmigung ist im besten Interesse der australischen Gesellschaft, weil ein Familienmitglied nicht die gesundheitlichen Voraussetzungen erfüllt", beschied sie. "2007/2008 haben sich 150 000 Ausländer in Australien angesiedelt. Wenn wir keine Gesundheitschecks machen würden, wäre die Bürde für unser Gesundheitssystem unhaltbar."

Unhaltbar finden die Bürger von Horsham vor allem die Haltung der Behörde. "Schämen Sie sich!" empörte sich ein Zeitungsleser an die Adresse der Bürokraten. "Die Entscheidung ist verrückt, wir suchen händeringend nach Ärzten auf dem Land", sagte die Vorsitzende des Unternehmerverbandes, Andrea Cross. "Und wenn der Sohn auch behindert ist, wir haben alles hier, was er braucht."

Möller ist tief enttäuscht. "Wir fühlen uns von der Regierung zurückgestoßen", sagte er im Lokalfernsehen. "Dabei haben wir Riesenunterstützung in der Bevölkerung." Und nicht nur das: Gesundheitsministerin Nicola Roxon hat sich des Falls schon angenommen und will die Sache mit ihrem Kabinettskollegen vom Einwanderungsministerium aufgreifen. Auch der Ministerpräsident des Bundesstaates Victoria steht hinter den Möllers. "Wir werden sie hundertprozentig unterstützen", sagte John Brumby. "Ich halte den Bescheid für eine Fehlentscheidung, und die Sache für Diskriminierung gegen ihn und seine Familie."

Gegen den Vorwurf hat sich die Einwanderungsbehörde schon gewappnet, denn Diskriminierung ist im Einwanderland Australien verpönt. "Es handelt sich nicht um Diskriminierung", hielt sie eigens in ihrem Bescheid fest. "Eine Behinderung allein heißt nicht, dass jemand durch eine Gesundheitsprüfung fällt. Es ist eine Frage der möglichen Kosten." "Unmöglich", wettert Leser Geoff Ringwood in einer Lokalzeitung. "Gleichzeitig tolerieren wir Asylsuchende mit gehörigem Gewaltpotenzial, was den Steuerzahler Millionen von Dollar kostet."

"Dr. Möller hat ein befristetes Visum bis 2010", teilte die Behörde mit. "Wir haben ihm versichert, dass er und seine Familie bis 2010 bleiben dürfen." Doch Möller will trotz allem für ein Dauervisum kämpfen und hofft auf ein Einlenken der Behörden.

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