Ärzte Zeitung online, 04.11.2008

Helfer warnen vor humanitärer Katastrophe im Kongo

NAIROBI/GOMA (dpa). Trotz der Ankunft eines UN-Hilfstransportes im Ostkongo warnen Hilfsorganisationen weiter vor einer Katastrophe für die unter unmenschlichen Zuständen lebenden Flüchtlinge. Rund 250 000 Menschen sind durch die Kämpfe in den vergangenen zwei Monaten im Osten des afrikanischen Landes vertrieben worden.

Rund 55 000 haben sich nach Angaben der Aktion Deutschland Hilft in die Region Minova geflüchtet. In den Lagern in und um Goma sterben täglich mehr Menschen, teilte die Caritas am Montag in Freiburg mit. Unterdessen kritisierte der französische Außenminister Bernard Kouchner die UN-Mission im Kongo und warf ihr Ineffizienz vor.

"Einige Brigaden sind nicht einsatzfähig, weil sie zu strikte Vorschriften haben", sagte Kouchner nach einem Treffen der EU-Außenminister am Montag in Marseille. Im umkämpften Goma im Ostkongo seien derzeit nur 800 der insgesamt knapp 1700 UN-Soldaten stationiert. "Die Truppen müssen offensiver vorgehen und zu Verteidigungsoperationen bereit sein", sagte Kouchner.

Es sei nicht ausgeschlossen, dass die UN die EU um weitere Truppen bitten könnten, entweder im Rahmen der UN-Mission oder parallel dazu. Zwar könne es keine militärische Lösung geben, aber die Truppen könnten den Einsatz der humanitären Hilfe erleichtern, fügte Kouchner hinzu.

Am Montag brachten zwölf UN-Fahrzeuge Medikamente und Tabletten zur Aufbereitung von Trinkwasser in die von den Rebellen kontrollierten Gebiete, wie der britische Sender BBC berichtete. Dringend benötigte Nahrungsmittel habe der Konvoi jedoch nicht geladen. Ein mit dem Hilfstransport mitreisender BBC-Journalist berichtete, die Fahrzeuge seien in der Stadt Rutshuru angekommen. Dort verhandelten UN-Helfer mit örtlichen Anführern.

Ohne schnelle Hilfe von Außen steuere die Region "unausweichlich" auf eine humanitäre Katastrophe zu, warnte die Caritas. Die Zustände in den Flüchtlingslagern seien verheerend. Die Flüchtlinge, unter ihnen viele Kinder, konnten zum Teil seit Anfang Oktober wegen der andauernden Kämpfe nicht von Helfern erreicht werden.

Kämpfer des Rebellengenerals Laurent Nkunda hatten die Regierungssoldaten um Goma, der Hauptstadt der Unruheprovinz Nord-Kivu, vergangene Woche zurückgeschlagen. Nkundas Rebellen stehen unmittelbar vor Goma, ihre Offensive hatte eine Massenflucht ausgelöst. Ein von Nkunda erklärter einseitiger Waffenstillstand dauerte am Montag an.

Nkunda begründet seinen Kampf mit der Verteidigung der Volksgruppe der Tutsi. Er wirft der kongolesischen Regierungsarmee vor, Hutu-Milizen zu unterstützen, die 1994 nach dem Völkermord im benachbarten Ruanda in das zentralafrikanische Land geflohen waren. Das frühere Hutu-Regime, das von dem jetzigen ruandischen Präsidenten Paul Kagamé und seiner Ruandischen Patriotischen Front (RPF) gestürzt worden war, hatte binnen 100 Tagen 800 000 Tutsi und gemäßigte Hutu ermordet. Die kongolesische Regierung wirft Ruanda vor, Nkundas Rebellen zu unterstützen, was Ruanda zurückweist.

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