Ärzte Zeitung online, 25.11.2008

Hirnforscher: Das Wort "Telefon" lässt das Gehirn klingeln

ULM (dpa). Hirnforscher der Universität Ulm haben herausgefunden, wie sich das menschliche Gehirn die Bedeutung von Wörtern erschließt. "Schon beim Lesen des Wortes Telefon klingelt es im Kopf", so Psychologe Privatdozent Markus Kiefer von der Uni Ulm. Ohne die Verknüpfung mit einer Sinneswahrnehmung könne ein Wort nicht richtig verstanden werden.

Hirnforscher: Das Wort "Telefon" lässt das Gehirn klingeln

Hirnforscher: Das Wort "Telefon" lässt das Gehirn klingeln.

Foto: Alena Andryianava ©www.fotolia.de

Damit sei die herrschende Lehrmeinung widerlegt, wonach Begriffe im Gehirn abstrakt weiterverarbeitet werden, hieß es in der Mitteilung der Universität Ulm.

Für die Studie haben die Forscher Gehirnströme von Probanden beim Lesen von Wörtern gemessen. Beim Lesen von Begriffen, die für einen hörbaren Gegenstand wie etwa das Telefon stehen, seien die Bereiche im Gehirn aktiviert worden, die sonst für das Hören zuständig sind (Journal of Neuroscience 47, 2008, 12224).

Die Studie liefere auch wichtige Erkenntnisse für die Erziehung von Kindern. "Begriffe sind verarmt, wenn während des Lernens nie die Möglichkeit bestand, die Gegenstände auch zu hören, zu sehen, zu riechen und zu fühlen", sagte Kiefer. Wenn Kinder Tiere oder Pflanzen nur aus dem Fernsehen oder aus Büchern kennen, blieben die Begriffe für sie abstrakt und unverständlich.

Die Ulmer Forscher gehen davon aus, dass selbst Begriffe wie Freiheit, Gerechtigkeit oder Optionsschein letztlich mit einer Sinneswahrnehmung verknüpft sind. Fehlen diese Verknüpfungen, fehle auch das Verständnis.

Als Beispiel nannte Kiefer die derzeitige Finanzkrise. "Ein Optionsschein an der Börse ist dann nur ein Blatt Papier, dessen Bedeutung für die realen Finanzmärkte nur unvollständig nachvollzogen werden kann. Da klingelt nichts im Kopf", sagte er.

Abstract der Studie "The Sound of Concepts: Four Markers for a Link between Auditory and Conceptual Brain Systems"

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