Ärzte Zeitung online, 26.11.2008

Tierschützer: Millionen Eier falsch etikettiert - Behörden: Quatsch

BERLIN (dpa). Millionen Eier sollen nach Angaben der Tierschutzorganisation Peta in Deutschland fälschlicherweise als Freiland- oder Bioprodukte verkauft worden sein. Die Organisation berichtete am Mittwoch von einer Firma in Brandenburg, die Eier ihrer Hühner angeblich mit falschen Etiketten ausgezeichnet haben soll. Ein Biohof in Sachsen-Anhalt soll diese Eier mit vertrieben haben.

Die Hühnerhaltung in den beschuldigten Betrieben kritisierte Peta als "tierquälerische Bodenhaltung". Das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt des brandenburgischen Landkreises Oder-Spree bezeichnete die Vorwürfe in einer ersten Reaktion als "absoluten Quatsch".

Die Behörden in Brandenburg und Sachsen-Anhalt kündigten jedoch an, die Vorwürfe umgehend zu prüfen. Bei bisherigen Kontrollen stellten die zuständigen Ämter nach eigenen Angaben jedoch keine Mängel fest. Die Legehennenhaltung in dem beschuldigten Unternehmen sei "absolut artgerecht", betonte das Amt im brandenburgischen Oder-Spree-Kreis. Das Agrarministerium in Sachsen-Anhalt sah bisher keinen Grund zur Sorge.

Seinen Angaben zufolge wird der Biohof jährlich kontrolliert. Bislang habe es keinerlei Beanstandungen gegeben. Die beiden Höfe wollten sich bis zum Nachmittag nicht zu den Vorwürfen äußern.

Die Eier sollen nach Peta-Angaben unter anderem an große bundesweite Supermarktketten geliefert worden sein. Die Tierschutzorganisation kündigte an, Anzeige wegen Betrugs und Tierquälerei zu erstatten. Die Anzeigen waren am Mittwoch aber noch nicht bei den Staatsanwaltschaften Potsdam und Halberstadt eingegangen.

Die Geschäftsführerin des Geflügelwirtschaftsverbandes Brandenburg, Ursula Schimmrigk, bezeichnete alle Vorwürfe als "haltlos". Gerade das beschuldigte Unternehmen "handelt bei allem nach den Buchstaben des Gesetzes". Der Amtstierarzt des Kreises Dahme-Spreewald, Clemens Müller, kontrolliert den Betrieb seit 15 Jahren und nannte den Hof einen Vorzeigebetrieb.

Das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt aus Oder-Spree erklärte, wegen des Ausbruchs der Geflügelpest in Sachsen gelte auch für die Betriebe in Brandenburg seit dem 20. Oktober die Stallpflicht. "Deswegen werden Sie dort derzeit kein Huhn in Freilandhaltung finden", sagte der Behördenleiter Thomas Maczek.

Die Tierschutzorganisation hatte ihre Vorwürfe mit Fotos und Filmaufnahmen belegen wollen, auf denen Tiere eng gedrängt in Käfigen zu sehen sind. Dem Amt zufolge ist aber gesetzlich geregelt, dass Eier aus Freilandhaltung auch während der sogenannten Aufstallungspflicht noch drei Monate lang als Freilandeier verkauft werden dürfen.

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