Ärzte Zeitung online, 27.11.2008

Mehr als 100 Tote bei blutiger Terrorserie in Bombay

NEU DELHI (dpa). Sondereinheiten in der westindischen Finanzmetropole Bombay haben am Donnerstag mit der Stürmung des von Terroristen besetzten Trident-Hotels begonnen. Indische Medien berichteten, 40 bis 50 Menschen könnten sich in der Gewalt der Extremisten befinden. Nach Angaben der Behörden haben sich zwölf Terroristen in dem Hotel verschanzt.

Die Polizei teilte mit, die Zahl der Toten bei der beispiellosen Terrorserie sei auf mindestens 101 gestiegen. 287 Menschen seien verletzt worden. Ein Polizeisprecher sagte, unter den Toten seien sechs Ausländer, die aber noch nicht identifiziert seien.

Die Nachrichtenagentur PTI meldete, ein Australier und ein Japaner seien getötet worden. Zu der Serie von Anschlägen in der Millionenmetropole hat sich eine bislang unbekannte muslimische Gruppe namens "Deccan Mudschaheddin" bekannt. Terroristen hatten am späten Mittwochabend unter anderem zwei Luxushotels, den Hauptbahnhof und ein Café gestürmt, das Feuer eröffnet, Handgranaten geworfen und Geiseln genommen. NDTV meldete, unter den Geiseln seien mindestens neun israelische Staatsbürger.

Augenzeugen berichteten, die Angreifer im Taj-Hotel hätten gezielt nach US-Amerikanern und Briten gesucht

Augenzeugen berichteten, die Angreifer im Taj-Hotel hätten gezielt nach US-Amerikanern und Briten gesucht. Im Taj-Hotel, einem Wahrzeichen der Stadt, durchsuchten Sondereinheiten Zimmer für Zimmer. Neben Anti-Terror-Einheiten wurde auch die Armee eingesetzt.

Nach Polizeiangaben wurden bislang mindestens fünf Terroristen getötet und neun weitere festgenommen, zwei konnten fliehen. Mindestens 14 Polizisten wurden getötet, darunter der Chef der Anti-Terror-Einheit Maharashtras. Forderungen der Terroristen wurden zunächst nicht bekannt. NDTV berichtete, die schwer bewaffneten Extremisten seien unter anderem mit Booten nach Bombay gekommen.

Europaabgeordneter: Delegation des EU-Parlaments in Sicherheit

Die Delegation des EU-Parlaments in Bombay hat die verheerenden Terrorangriffe nach Angaben des Karlsruher Europa-Abgeordneten Daniel Caspary (CDU) unbeschadet überstanden. Alle seine Kollegen und Mitarbeiter seien in Sicherheit, sagte Caspary dem Informationsradio SWR cont.ra. Einige seien auf "abenteuerlichen Wegen" aus dem Hotel Taj Mahal entkommen. Die Menschen seien durch Küchen und Keller geflohen, in unmittelbarer Nähe habe es Schießereien gegeben.

Im Moment halte er sich im deutschen Generalkonsulat auf. Dessen Mitarbeiter seien darum bemüht, alle Deutschen sicher aus der Gefahrenzone zu bringen. Wann die Delegation Indien verlassen könne, sei noch unklar.

Außenamt: Noch keine Erkenntnisse, ob Deutsche in Bombay betroffen

Das Auswärtige Amt hat gegenwärtig noch keine Erkenntnisse, ob deutsche Bürger unter den Opfern der blutigen Terrorangriffe in Bombay mit mehr als 100 Toten sind. Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes und das Generalkonsulat in Bombay bemühten sich mit Hochdruck um Aufklärung, sagte eine Sprecherin am Donnerstagmorgen in Berlin.

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