Ärzte Zeitung online, 27.11.2008

Staatsanwaltschaft soll Stammzellen-Versuche prüfen

KÖLN/BERLIN (dpa/eb). Die Kölner Staatsanwaltschaft soll prüfen, ob menschliche embryonale Stammzellen in Deutschland möglicherweise unrechtmäßig verwendet worden sind. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat heute auf Anfrage der Universität Köln mitgeteilt, dass seiner Auffassung nach für einzelne Aspekte der Forschungstätigkeit des Kölner Stammzellforschers Professor Jürgen Hescheler zusätzliche Genehmigungen hätten eingeholt werden müssen.

Das RKI in Berlin hat den Fall geprüft und seine Unterlagen dazu an die Kölner Staatsanwaltschaft weitergereicht. Das Institut lege wert darauf, dass es keinerlei Vorwürfe gegen den betreffenden Wissenschaftler erhoben habe, sagte RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher am Mittwoch in Berlin. Die Weitergabe des Materials an die Staatsanwaltschaft sei auf deren Wunsch hin erfolgt. Oberstaatsanwalt Günther Feld sagte dazu in Köln, das Material sei wohl unterwegs, aber noch nicht eingetroffen.

Das RKI muss Import und Verwendung von menschlichen embryonalen Stammzellen genehmigen

Das RKI muss Import und Verwendung von menschlichen embryonalen Stammzellen genehmigen. Der kritisierte Forscher von der Universität Köln soll eine solche Genehmigung nicht gehabt haben. Die Universität Köln hatte dazu erklärt, der Forscher habe zuvor bereits mehrfach Genehmigungen erhalten und in diesem Rahmen vergleichende Untersuchungen vorgenommen.

In einem Beitrag in der Fachzeitschrift "Nature" (456, 2008, 344, onine vorab am 8. Oktober) waren aus menschlichen Hoden gewonnenen Zellen beschrieben worden, die Eigenschaften wie embryonale Stammzellen haben. Die Forschungsarbeit aus Tübingen war ergänzt um die vergleichenden Ergebnisse des Kölner Experten.

Wer in Deutschland als Forscher mit embryonalen Stammzellen des Menschen arbeiten will, muss den Import und die Verwendung der menschlichen Zellen zunächst genehmigen lassen. Das schreibt das Stammzellgesetz vor. Ein Import ist laut Gesetz allein zu Forschungszwecken und nur ausnahmsweise dann zugelassen, wenn die Zellen vor dem 1. Mai 2007 und durch künstliche Befruchtung gewonnen wurden.

Universität zu Köln richtet Kommission ein

Bei den beschriebenen Arbeiten handele es sich um nicht als implizit mitgenehmigte Untersuchungen, sondern um Untersuchungen, die über den Umfang der bislang erteilten Genehmigungen hinausgingen.

Alle weiteren nach dem Stammzellgesetz vorgeschriebenen Genehmigungen waren ordnungsgemäß beantragt und erteilt worden.

Bis zur endgültigen rechtlichen Klärung der aufgeworfenen Fragen hat die Universität zu Köln eine Kommission eingerichtet, die aus Experten einschlägiger Fachbereiche zusammengesetzt ist. Dieses Gremium begleitet, in Abstimmung mit dem Rektorat, den gesamten Vorgang und berichtet der Ethikkommission, dem Dekan der Medizinischen Fakultät sowie dem Rektorat.

Diese Studie in "Nature" löste die Diskussionen aus (zum Abstract):

"Generation of pluripotent stem cells from adult human testis"

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