Ärzte Zeitung online, 28.11.2008

Bombay: Zwei Deutsche gerettet - Hotel "Oberoi Trident" soll unter Kontrolle sein

NEU DELHI (dpa). Nach der Terrorwelle mit mindestens 125 Toten in der indischen Millionenmetropole Bombay haben die Fahnder islamische Extremisten ins Visier genommen. Ein Münchner Medienunternehmer kam bei einem dramatischen Fluchtversuch aus dem Hotel "Taj Mahal", das im Zentrum der Angriffswelle stand, ums Leben. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hält es für möglich, dass weitere Deutsche ums Leben gekommen sind.

Ein Polizeisprecher sagte, die Zahl der Todesopfer in Bombay läge weiterhin bei 125. Die Zahl der Verletzten bezifferte er mit 252. Ursprünglich war von mehr als 320 Verletzten die Rede gewesen. Unter den Toten sollen acht Ausländer sein, darunter ein Deutscher. Unter den Verletzten seien 22 Ausländer, so ein Polizeisprecher.

Bei dem deutschen Opfer handelt es sich um den 51-jährigen Ralph Burkei, der sich im Taj-Hotel aufgehalten hatte. Burkei war Programmleiter bei der Firma C.A.M.P. TV, die unter anderem für die Fernsehsender Sat.1 und RTL arbeitet. Burkei sei in der Nacht zum Donnerstag ums Leben gekommen, als er aus dem Hotel flüchten wollte, berichtet die "Abendzeitung". Nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin wurden zudem mehrere Deutsche verletzt.

Die Terroristen waren am Mittwochabend mit Booten in die Stadt eingedrungen und hatten zehn Ziele in Bombay mit Schnellfeuergewehren und Handgranaten angegriffen. Zu den Anschlägen hatte sich die bislang nicht in Erscheinung getretene muslimische Gruppe Deccan Mudschaheddin bekannt.

Die Polizei nahm nach Medienberichten vom Donnerstag in einem der belagerten Hotels drei mutmaßliche Terroristen fest. Darunter sei ein Pakistaner, berichtete die indische Nachrichtenagentur PTI am Abend. Die Männer sollen der in Pakistan ansässigen Rebellengruppe Lashkar e Toiba angehören, die die Unabhängigkeit Kaschmirs fordert. Indien und das Nachbarland beanspruchen beide die Provinz.

Das umkämpfte Oberoi-Trident-Hotel soll jetzt unter Kontrolle sein

Mehr als 40 Stunden nach den Terrorangriffen in Bombay haben Sicherheitskräfte das umkämpfte Oberoi-Trident-Hotel nach eigenen Angaben unter ihre Kontrolle gebracht. Der Chef der indischen Elite-Einheit NSG (National Security Guard), J.K. Dutt, sagte am Freitag in der westindischen Finanzmetropole, die beiden Terroristen, die sich in dem Hotel verschanzt hatten, seien getötet worden. Angaben zu möglichen Opfern unter den Hotelgästen machte Dutt nicht.

Am "Taj-Mahal"-Hotel befinde man sich "im Endstadium der Operationen, bevor wir die Dinge zum Abschluss bringen", sagte Generalmajor N. Thumbiraj. Es sei "eine Frage von Stunden". Die Sicherheitskräfte seien angewiesen, langsam vorzugehen, um Opfer zu vermeiden. Im Hotel harrten weiterhin "eine Hand voll" Gäste in Zimmern aus.

Eine weitere Terroristengruppe soll sich in einem jüdischen Zentrum verschanzt haben

Indische Medien berichteten, eine weitere Gruppe Terroristen habe sich im Nariman-Gebäude verschanzt, in dem ein jüdisches Zentrum untergebracht ist. 10 bis 15 Israelis in der Gewalt von Terroristen, zu weiteren 25 habe man keinen Kontakt herstellen können. Aus dem jüdischen Gemeindezentrum wurden nach Angaben der israelischen Generalkonsulin Orna Sagiv keine jüdischen Geiseln befreit. Dort seilten sich im Morgengrauen rund 100 Spezialkräfte aus Hubschraubern ab und gingen in Stellung.

Auswärtiges Amt: Zwei Deutsche aus Hotel in Bombay gerettet

Zwei deutsche Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes und mehrere Lufthansa-Mitarbeiter sind am Freitagmorgen aus dem Hotel "Oberoi Trident" in Bombay freigekommen. Die von der indischen Polizei befreiten Außenamtsmitarbeiter seien wohlauf und befänden sich in der Obhut des Generalkonsulats, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in Berlin.

Unklar ist, ob die Deutschen als Geiseln festgehalten worden waren, oder ob sie sich in Zimmern des Hotels verschanzt hatten. Die Sprecherin sagte, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Deutsche unter den Betroffenen sind. "Die Lage ist weiterhin unübersichtlich."

Am Morgen kamen auch zwei Mitarbeiter der Fluggesellschaft Lufthansa aus dem Hotel frei.

Am Morgen kamen auch zwei Mitarbeiter der Fluggesellschaft Lufthansa aus dem Hotel frei. "Sie konnten das Hotel verlassen", sagte ein Sprecher der Fluggesellschaft in Frankfurt und bestätigte einen Bericht des Rundfunksenders ndr info. Damit sind laut Lufthansa alle Mitarbeiter des Unternehmens in Bombay in Sicherheit. Zu den Nationalitäten wollte die Fluggesellschaft nichts sagen. Es soll sich um drei Deutsche, eine Österreicherin und drei Inder handeln.

Vor Reisen nach Bombay wird bis auf weiteres abgeraten

Im Auswärtigen Amt und im deutschen Generalkonsulat in Bombay wurden Krisenstäbe eingerichtet. Zugleich verschärfte das Außenministerium seine Reisehinweise. Es rät nun "bis auf weiteres" von Reisen nach Bombay ab.

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