Ärzte Zeitung online, 01.12.2008

Ärzte kämpfen um Charlyn - Fahndung nach mutmaßlichem Bombenleger

BERLIN (dpa). Die Ärzte im Berliner Unfallkrankenhaus Marzahn kämpfen um Charlyn. Erneut wurde die Zwölfjährige am Montag operiert. Der rechte Arm des Mädchens war zerfetzt worden, als es am Mittwoch den Briefkasten der Familie in einem Neuköllner Mehrfamilienhaus öffnete und ein Sprengsatz explodierte. Auch Teile ihrer Haut verbrannten.

"Das Schicksal des Mädchens berührt uns alle sehr", sagte Krankenhaus-Sprecherin Esther Heyer der dpa. Erst in ein paar Tagen werde sich entscheiden, ob der Arm gerettet werden kann.

Die Polizei fahndet inzwischen bundesweit nach dem mutmaßlichen Bombenleger Peter John, dem Onkel von Charlyn. In dem Haftbefehl wird ihm versuchter Mord vorgeworfen. Auch viele Polizisten und Familienväter lässt der Fall nicht kalt. "Abgesehen von der Erschöpfung sind wir hoch motiviert, den Mann zu finden", sagte Polizeisprecher Guido Busch. "Das ist ein ungewöhnlicher Fall." Sprengfallen mit so schweren Folgen kämen nicht häufig vor.

Der Mann mit dem auffälligen Adamsapfel, der auch gern sein Aussehen verändert, gelte als sehr gefährlich. "Unsere Spezialkräfte sind weiter in Bereitschaft", so Busch. Auch Zivilfahnder durchkämmen die Stadt. Das Krankenzimmer des verletzten Mädchens werde bewacht. Doch der polizeibekannte John, der auch einen Sprengsatz am Auto seines Schwagers platziert hatte, macht sich unsichtbar. Die Auto-Bombe war nicht explodiert.

Angestaute familiäre Spannungen könnten hinter dem Anschlag stecken, vermuten die Ermittler. "Die Welt" und "Berliner Morgenpost" berichteten am Montag, Peter John sei als Kind mit Essensentzug und Schlägen gestraft worden.

Viermal schon rückten die Kräfte vom Spezialeinsatzkommando aus, suchten in Kellern und Wohnungen nach dem Mann, auf dessen Konto laut Polizei auch Diebstahl und Körperverletzung gehen sollen. Doch bis jetzt Fehlanzeige. Sieben Einwohner haben sich bei der Polizei gemeldet, die den mutmaßlichen Bombenleger gesehen haben wollen.

Aber einen Teilerfolg gibt es: Johns Auto, ein roter BMW, wurde am Wochenende in Berlin-Friedrichshain entdeckt. Die Befürchtung, dass darin ebenfalls eine Sprengladung versteckt sein könnte, bewahrheitete sich aber erst nach stundenlanger Überprüfung nicht. Jetzt suchen die Ermittler weiter nach Spuren in dem sichergestellten Wagen.

Ein Fünkchen Hoffnung haben die Fahnder, dass sich John noch selbst stellt. "Der Druck auf ihn nimmt zu", sagte Sprecher Busch. Die Streifenpolizisten wurden inzwischen angewiesen, John auf keinen Fall selbst festzunehmen. Sofort sollten die Spezialkräfte alarmiert werden. "Wir wissen nicht, wie er reagiert, da muss mit allem gerechnet werden", hieß es in Ermittlerkreisen.

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