Ärzte Zeitung online, 03.12.2008

Vatikan lehnt UN-Behindertenkonvention wegen Abtreibung ab

ROM (dpa). Der Vatikan will die UN-Behindertenkonvention nicht ratifizieren, weil sie Abtreibungen nicht ausdrücklich verbietet. Zum Welttag der Behinderten am Mittwoch kritisierte der Heilige Stuhl das in der Konvention garantierte Recht auf "sexuelle Gesundheit" für Behinderte, weil in manchen Ländern darunter Abtreibung verstanden werde.

Aus dem Vatikan hieß es nach italienischen Medienberichten, eine solche Konvention dürfe nicht Missbildungen des Fötus als eine Bedingung für Abtreibungen einstufen, sondern müsse den Schutz der Behinderten vor Diskriminierungen stärken. Die UN-Konvention von Ende 2006 ist schon von mehreren Mitgliedsländern ratifiziert worden.

Der Vatikan hatte sich zuvor bereits gegen einen Vorstoß Frankreichs gewandt, im Namen der EU von den Vereinten Nationen die Strafbarkeit der Homosexualität weltweit aufheben zu lassen. Der Vertreter des Heiligen Stuhles bei den UN in New York, Erzbischof Celestino Migliore, sprach sich dagegen aus, denn damit würden all jene Staaten an den Pranger gestellt und unter Druck gesetzt, die gleichgeschlechtliche Beziehungen nicht als "Ehe" akzeptierten. Die Haltung des Vatikans wurde vor allem in Italien heftig kritisiert. Schwulenorganisationen sprachen von "Kriminalisierung Homosexueller".

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