Ärzte Zeitung online, 04.12.2008

Massenpanik kann auch ohne erkennbaren Auslöser entstehen

HAMBURG (dpa). Eine Massenpanik in einer Menschenmenge entsteht unter Umständen auch ohne besonderen Grund. "Ist es so voll, dass überhaupt nichts mehr geht, kann das schon ein gefährliches Gedränge auslösen", sagte der Psychologe Professor Bernd Gasch auf einem Kongress für Intensiv- und Notfallmedizin in Hamburg.

In der Regel seien aber Brände oder Explosionen die Ursache. Eine Massenpanik komme zwar selten vor, besonders in Fußballstadien oder bei religiösen Festen bestehe aber die Gefahr.

Selbst auf besonders vollen Weihnachtsmärkten sei eine Massenpanik vorstellbar. "Gerade um die Glühweinstände ist das Gedränge besonders groß", sagte der Psychologe von der Universität Dortmund.

Bei einer Massenpanik werde die Vernunft des Menschen weitgehend ausgeschaltet. Primitive und egoistische Motive dominierten. "Die Mehrzahl der Menschen rennt einfach weg", erklärte Gasch. Am Boden liegende Menschen finden dabei keine Beachtung. "Das ist nicht menschlich, das ist unser biologisches Wesen." Dieses Verhalten sei bei allen Herdentieren zu beobachten - renne eines weg, liefen alle anderen hinterher.

Das Gedränge führe an den Notausgängen häufig dazu, dass die Fliehenden sich verkeilen und niemand herauskommt. Daher sei es wichtig, dass die hohe Erregung gedämpft wird. Gasch empfahl für Lautsprecherdurchsagen Folgendes: "Frauen und Kinder zuerst." Der alte Seefahrerspruch erhöhe auch die Überlebenschance der Männer. Der Mensch fühle sich eher verantwortlich, das egoistische Treiben werde etwas abgemildert.

Der Kongress der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin findet vom 3. bis 6. Dezember in Hamburg statt. 4500 Experten nehmen teil.

www.divi2008.de

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