Ärzte Zeitung online, 04.12.2008

Deutscher Zukunftspreis geht nach Baden-Württemberg - Mini-Sensoren

BERLIN (dpa). Mit cleveren Mini-Sensoren für Handys, Laptops oder Navigationsgeräte hat ein Forscherteam aus Baden-Württemberg den Deutschen Zukunftspreis gewonnen. Bundespräsident Horst Köhler vergab die renommierte Auszeichnung am Mittwochabend in Berlin. Die Sieger in dem bundesweiten Wettbewerb um die besten marktreifen Ideen aus den Technik-, Ingenieur- und Naturwissenschaften erhalten ein Preisgeld von 250 000 Euro.

Hinter dem Siegerprojekt steht eine Tochter der Firma Bosch in Reutlingen, teilte die Zukunftspreis-Jury in Berlin mit. Mit den Sensoren, die wie elektronische Sinnesorgane funktionieren, wollen die Erfinder der Unterhaltungselektronik einen weiteren Schub geben.

Der Charme der Reutlinger Sensoren liegt in ihrer Größe. Nur drei Tausendstel Millimeter klein lassen sich die empfindlichen Messfühler aus Silizium nur unter dem Mikroskop erkennen. Sie sind damit winzig und leicht genug, um in ein Handy zu passen.

Die pfiffigen kleinen Bosch-Sensoren aus Silizium, die nur unter einem Mikroskop zu sehen sind, können Bewegungen wie Sinnesorgane wahrnehmen und darauf reagieren. Sie funktionieren nach einem einfachen Prinzip: Eine Beschleunigung überträgt sich auf die winzige Feder, elektronische Bauteile können die Beschleunigung dadurch messen.

Das preisgünstige Modell kostet weniger als einen Euro

Interessenten dürften auch die Kosten für die Sensoren nicht abschrecken: Das preisgünstige Modell, industriell gefertigt, kostet weniger als einen Euro. Die Palette der Anwendungen für die beweglichen Messfühler ist breit. Handys lassen sich mit ihnen allein durch Bewegungen bedienen. Wird ein klingelndes Mobiltelefon auf dem Schreibtisch umgedreht, hört das lästige Gebimmel sofort auf. Computer könnten beim Sturz im bremsenden Zug vorher schnell noch ihre Daten sichern, sagen die Entwickler.

Auch in der Altenpflege könnten die Messfühler Alarm auslösen, wenn ein Mensch hinfällt. Und als Drucksensoren messen die mikromechanischen Bauteile in Navigationsgeräten zum Beispiel die exakte Höhe über dem Meer.

Ganz neu ist die Idee der Bosch-Ingenieure aber nicht. Ähnliche Sensoren gibt es bereits in Autos. Sie lösen zum Beispiel beim Schleudern den Airbag aus. Der Verdienst der Wissenschaftler liegt darin, dass sie die Sensoren "geschrumpft" haben - und gleichzeitig kostengünstig produzieren lassen.

Bosch rechnete bereits vor dem Zukunftspreis mit einem beträchtlichen wirtschaftlichen Erfolg dieser Idee. In Reutlingen wird im Moment ein neues Halbleiterwerk gebaut, in dem in den kommenden Jahren 800 Arbeitsplätze entstehen sollen. Köhler lobte die Jury-Entscheidung deshalb auch als positives Signal in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

Schon jetzt produziert Bosch in Reutlingen 200 Millionen Sensoren pro Jahr und verzeichnete im vergangenen Jahr eine Wachstumsrate von 50 Prozent. 2000 Menschen arbeiten im Bereich Sensoren-Technik. Und ein Ende des Wachstums ist nach Überzeugung der Entwickler nicht in Sicht.

Mit dem Deutschen Zukunftspreis ehrt der Bundespräsident jedes Jahr eine Spitzenleistung von Erfindern. Die Auszeichnung wird seit 1997 vergeben. Den Preisträger bestimmt eine Jury aus Wissenschaft und Wirtschaft. Finanziert wird der Preis von Unternehmen und Stiftungen.

Ursprünglich waren wir Kandidaten für den Deutschen Zukunftspreis nominiert worden: Forscherteams der Schott Solar CSP GmbH, der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), der Firma Sennheiser und der Bosch GmbH. Wegen eines Patentrechtsstreits war das Team der MHH um Professor Axel Haverich ausgeschlossen worden (wie berichtet). Das MHH-Team war für seine mitwachsenden Herzklappen nominiert worden (wie berichtet).

www.deutscher-zukunftspreis.de

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