Ärzte Zeitung online, 04.12.2008

Aufatmen nach Briefkasten-Bombe: gute Chancen für Charlyns Arm

BERLIN (dpa). Der Handchirurg Privatdozent Andreas Eisenschenk wirkt ernst, aber auch erleichtert. Nach dem Briefkasten-Attentat auf die zwölfjährige Charlyn kann er am Mittwochnachmittag endlich eine gute Nachricht verkünden: Trotz der schweren Verletzungen sind die Ärzte des Berliner Unfallkrankenhauses nach einer weiteren mehrstündigen Operation nun erstmals optimistisch, dass sie den Arm des Mädchens retten können.

"Man kann davon ausgehen, dass der Arm als gesichert gilt", sagt Chefarzt Eisenschenk. "Es sieht sehr optimal aus für diesen Zeitpunkt." Einschränkend fügt er jedoch hinzu: "Der Arm kann nie wieder so werden, wie er vorher war."

Charlyn war lebensgefährlich verletzt worden, als sie am vergangenen Mittwoch in Berlin-Neukölln den Briefkasten der Familie öffnete, in dem ein Sprengsatz versteckt war. Die Bombe explodierte beim Aufschließen, die Detonation riss dem Mädchen einen Arm fast komplett ab. Danach waren Nerven und Muskeln zerfetzt, der Arm war mehrmals gebrochen und wurde zeitweilig nicht mehr durchblutet.

"In der Stärke habe ich solche Verletzungen noch nie gesehen", berichtet der Chefarzt. "Das war wie nach einer Bombe im Kriegszustand." Neben dem fast abgerissenen Arm mussten sich die Chirurgen des Unfallkrankenhauses auch um die großflächigen Brandverletzungen im Brustbereich und im Gesicht kümmern.

Hals und Nase scheinen jedoch keinen Schaden genommen zu haben, sagt Eisenschenk. Charlyn höre sehr gut und könne ihre Gesprächspartner mit den Augen fixieren. Auch das Gesicht habe mittlerweile schon wieder Form. Die Verbrennungen waren nur oberflächlich. "Ich gehe davon aus, dass Charlyns Gesicht in einer Woche schon wieder normal aussehen wird", ergänzte der Handchirurg.

Trotz dieser guten Nachrichten können die Ärzte noch nicht aufatmen. Sie rechnen mit mindestens fünf weiteren Operationen. Auch Komplikationen wie eine Infektion sind bei Verletzungen wie diesen nicht auszuschließen.

Unterdessen fahndet die Berliner Polizei weiter nach dem mutmaßlichen Bombenleger, Charlyns 32-jährigem Onkel, wegen versuchten Mordes. Dabei gingen die Ermittler auch vielen Hinweisen aus der Bevölkerung nach, sagt ein Sprecher am Mittwoch. Eine weitere Sprengfalle hatte Charlyns Vater treffen sollen.

Von alldem bekommt Charlyn bislang nicht viel mit. Noch liegt sie auf der Intensivstation, Polizisten bewachen ihr Zimmer rund um die Uhr. "Die Patientin schläft viel, sie ist sehr müde", berichtet Eisenschenk. Sie wisse zwar, dass etwas passiert sei. "Was genau, weiß sie aber wohl nicht."

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