Ärzte Zeitung online, 05.12.2008

Forscher entziffern Erbgut eines Koreaners

SEOUL (dpa). Forscher in Südkorea haben zum ersten Mal das Erbgut eines Koreaners entziffert. Die Forscher des staatlichen Bioinformationszentrums (KOBIC) und der Gachon-Universität für Medizin und Wissenschaft berichteten am Donnerstag, sie hätten das vollständige persönliche Genom des Forschungsleiters und Krebsspezialisten Kim Seong Jin in sieben Monaten sequenziert.

Die Kosten dafür hätten sich auf 1,05 Milliarden Won (etwa 565 000 Euro) belaufen. Es ist das fünfte persönliche Genom, das veröffentlicht wird.

Die Zahl der Menschen, denen Daten über die Sequenz ihres Erbguts zur Verfügung stünden, könnte bereits 2009 in die Hunderte und in einigen Jahren in die Tausende gehen, wurde Kims Kollege von der Gachon-Universität, Ahn Sung Min, von der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap zitiert. Die Kosten für die DNA-Sequenzierung könnten auf rund eine Million Won und die Zeit für die Erstellung der Sequenz auf weniger als eine Stunde reduziert werden.

Anfang November hatten US-Forscher im britischen Fachjournal "Nature" berichtet, dass sie mit neuartigen Maschinen das Erbgut eines Afrikaners in nur acht Wochen entziffert hätten. Sie benötigten dafür nur 100 000 Dollar (78 000 Euro). Chinesische Genetiker hatten in derselben Ausgabe von "Nature" geschrieben, dass sie in ähnlicher Zeit das Erbgut eines Han-Chinesen sequenziert hätten (wie berichtet). Namentlich haben DNA-Mitentdecker James Watson und der US-Gen-Pionier Craig Venter ihre Erbgutsequenzen veröffentlicht.

Forscher in aller Welt erhoffen sich von der DNA-Sequenzierung medizinische Fortschritte. Mithilfe der Genomanalyse könnten beispielsweise Risikogene für bestimmte Krankheiten aufgespürt werden.

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