Ärzte Zeitung online, 08.12.2008

Hunger, Tod und Cholera: Mugabe entgleitet die Kontrolle des Militärs

JOHANNESBURG/HARARE (dpa). Hunger, Krankheiten, Schikane, Terror und Massenarmut - damit müssen die Menschen in Simbabwe seit Jahren kämpfen. Doch erst die sich immer schneller verbreitende Cholera- Epidemie sowie erste Anzeichen von mangelnder Disziplin innerhalb des gefürchteten Sicherheitsapparats von Staatschef Robert Mugabe lassen jetzt Hoffnungen auf ein Ende des jahrelangen Schreckens aufkeimen.

Denn Mugabe drohen angesichts des immer rasanteren Zusammenbruchs seines Staates die Stützen in seinem Sicherheitsapparat wegzubrechen. Die Bilder plündernder Soldaten Anfang vergangener Woche haben den autokratischen Langzeit-Machthaber offenbar in höchste Alarmstimmung versetzt.

Der 84-Jährige, der trotz landesweiten Massenelends auf Besuch in Dubai weilte, eilte angesichts der Unruhen schleunigst zurück in die Heimat. "Die Plünderungen in der vergangenen Woche sind erst der Beginn. Hätten diese Soldaten Waffen gehabt, hätte sie nichts mehr aufhalten können: Sie hätten auch andere Soldaten und Polizisten angegriffen", sagte der simbabwische Politik-Professor John Makumbe der Zeitung "City Press". Er ist sich sicher: "Für Mugabe hat das Finale begonnen ... Ein hungriger Soldat ist ein wütender Soldat." Insgesamt sollen mehr als 170 Soldaten an den Unruhen beteiligt gewesen sein, die sich offenbar bereits Tage vorher abzeichneten.

Mugabe hat offenbar eine harte Bestrafung der Soldaten und die Mobilisierung seiner Eliteverbände angeordnet. In Medienberichten ist davon die Rede, dass 10 bis 20 der Soldaten bereits erschossen wurden. Insgesamt befehligt er 30 000 Militärs und 50 000 Polizisten, die ihm in der Vergangenheit treu ergeben waren. Doch an deren Treue kommen ernste Zweifel auf - zumal sich im Ausland die Stimmen mehren, die auch eine gewaltsame Absetzung Mugabes fordern. Kein Wunder, dass die Soldaten nach den Unruhen auf einmal Sonderzahlungen erhielten.

Der Wert des Simbabwe-Dollars halbiert sich alle fünf bis zehn Minuten

Während sich der Wert des Simbabwe-Dollar angesichts einer offiziell auf 231 Millionen Prozent (und inoffiziell auf das Zehnfache) geschätzten Inflation alle fünf bis zehn Minuten halbiert, können sich die Soldaten für das Geld jedoch zunehmend weniger kaufen. Das Mugabe-Regime, das bisher radikal von der Substanz gezehrt hat, steht vor dem Fall ins Leere und hofft angesichts der humanitären Katastrophe nun auf internationale Hilfe.

Mugabes Kontrahent Morgan Tsvangirai von der Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) hat sich in dieser Krise mit seiner Führung ins Ausland abgesetzt. Von der im September angekündigten Koalitionsregierung ist nun ohnehin keine Rede mehr. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass im Nachbarland Südafrika weiter Optimismus verbreitet wird und eine politische Lösung - wie seit Jahren schon - für imminent hält. Der Kap-Staat spürt nun jedoch zunehmend die Konsequenzen seiner lang anhaltenden Duldungspolitik: Immer mehr simbabwische Cholerakranke strömen auf der verzweifelten Suche nach medizinischer Hilfe über den Grenzort Musina. Südafrika hat bereits militärisches Sanitätspersonal entsandt und erwägt, die betroffene Region zum Notstandsgebiet zu erklären.

Von einer militärischen Intervention will Südafrika nichts wissen

Von militärischen Interventionen - wie sie Erzbischof Desmond Tutu ansprach - will Südafrikas Regierung jedoch absolut nichts wissen. Sie setzt stattdessen weiter auf Gespräche und Konferenzen mit dem regionalen Staatenbund SADC. Dabei könnte eigentlich alles so einfach sein, meinte der südafrikanische Journalist Mondli Makhanya am Wochenende: "Wenn sich die SADC an den Geist und Buchstaben ihrer eigenen Verpflichtungen halten würde, würde sie Mugabes Regierung für illegal erklären und ihm die Anerkennung verweigern müssen."

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