Ärzte Zeitung, 10.12.2008

Für Freiheit und Gleichheit über alle Grenzen hinweg

Vor 60 Jahren wurde die "Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte" angenommen / Amnesty berichtet von Folter in 81 Ländern

HAMBURG/NEW YORK (dpa). Der Tag der Menschenrechte ist der Jahrestag der "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte". Am 10. Dezember 1948 wurde die Erklärung von der Vollversammlung der Vereinten Nationen angenommen.

"Ich lese Ihnen jetzt die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte vor", sagte Eleanor Roosevelt, als sie am 10. Dezember 1948 vor den Vereinten Nationen ans Rednerpult trat. Doch was die Witwe des ehemaligen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt so einfach ankündigte, war in Wirklichkeit eine Revolution: Erstmals hatten sich die Staaten der Welt auf einen umfassenden Katalog von Menschenrechten verständigt, der über alle Grenzen und Kulturen hinweg gelten sollte.

"Alle Menschen sind frei und gleich an Würde geboren."

"Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren", lautet die zentrale Aussage. In über 30 Artikeln sind Menschenrechte unter anderem das Recht auf Leben, Freiheit, soziale Sicherheit, persönliches Eigentum, freie Meinungsäußerung, Religionsausübung und politische Betätigung bezeichnet.

"Jedermann soll alle Rechte und Freiheiten ohne Rücksicht auf Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politische oder andere Überzeugung ausüben dürfen", heißt es. 48 der damals 56 UN-Mitgliedsstaaten stimmten im Pariser Palais de Chaillot für das in zweijähriger Kleinarbeit ausgehandelte Papier. Acht Länder - darunter die Sowjetunion, Saudi-Arabien und Südafrika - enthielten sich.

Angesichts der Verbrechen des Hitler-Regimes und anderer totalitärer Systeme war bereits in der UN-Charta von 1945 die Notwendigkeit eines Schutzes der Menschenrechte angesprochen, aber nicht konkretisiert worden. Die "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte" holte dies drei Jahre später nach. Mit Übersetzungen in mehr als 360 verschiedene Sprachen ist sie laut UN der meistübersetzte Text der Welt.

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft allerdings noch immer eine große Lücke: Amnesty International dokumentierte 2007 in 81 Staaten Fälle von Folter oder entwürdigender Behandlung. In 45 Ländern saßen Menschen allein aus politischen Gründen in Haft. In 24 Staaten wurden zusammen mindestens 1252 Menschen hingerichtet, mit Abstand die meisten in China. Die Presse- und Meinungsfreiheit wurde in mindestens 77 Ländern verletzt. In mindestens 23 Staaten galten Gesetze, die Frauen diskriminieren.

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