Ärzte Zeitung online, 08.12.2008

Neue Demonstrationen in Griechenland - Konsulat in Berlin besetzt

ATHEN (dpa). Nach den schweren Krawallen wegen des Todes eines 15-Jährigen durch eine Polizeikugel ist es am Montag in Griechenland erneut zu Demonstrationen gekommen. In Athen gingen mehrere tausend Schüler auf die Straßen und protestierten gegen den Tod des Jugendlichen, berichtete das Fernsehen.

In der Hafenstadt Thessaloniki warfen Unbekannte mehrere Brandsätze gegen die Fassade eines Bankgebäudes. Schüler blockierten die Straßenbahn von Athen. Andere Jugendliche besetzten eine Station der U-Bahn nahe der Vorstadt Kifissia. Dort musste der Verkehr eingestellt werden.

In fast allen Landesteilen Griechenlands blieben am Montag die Schulen geschlossen. "Sie werden bis Mittwoch aus Protest gegen den Tod des Schülers geschlossen bleiben", sagte der Generalsekretär des Gymnasiallehrergewerkschaft, Kostas Maniatis, im Radio. Auch das Kultusministerium erklärte den Dienstag zum Tag der Trauer für die Schulen. Für den Abend und die kommenden Tagen wurden neue Demonstrationen autonomer Gruppen und linker Parteien angekündigt.

Bislang wurden bei den Krawallen 40 Menschen verletzt, der Sachschaden beträgt 100 Millionen Euro

Bei den Straßenkämpfen waren seit Samstagabend rund 40 Menschen verletzt worden. Der Sachschaden wird auf 100 Millionen Euro geschätzt. Straßenzüge in Athen und im nordgriechischen Thessaloniki boten Bilder wie in einem Bürgerkrieg. Mehr als 500 Angestellte der Stadt versuchten am Montag in Athen, die Wracks der Autos aus den Straßen zu entfernen.

Die Krawalle hinterließen zudem zerstörte Geschäfte, Bankfilialen und Polizeiwachen. Auch Privatwohnungen waren demoliert worden. Brennende Barrikaden und massiver Tränengaseinsatz der Sicherheitskräfte legten weite Teile der Innenstadt Athens unter eine dichte Rauchdecke.

Am Samstagabend war in Athen ein 15 Jahre alter Schüler durch eine Polizeikugel gestorben. Der 37 Jahre alter Polizist, der den tödlichen Schuss auf den 15-Jährigen abgegeben haben soll, sagte aus, er habe lediglich drei Warnschüsse abgefeuert. Einer davon habe den Jugendlichen als Querschläger getroffen. Zuvor habe eine Gruppe Autonomer seinen Streifenwagen, in dem er zusammen mit einem Kollegen gesessen habe, mit Steinen angegriffen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Polizisten Totschlag vor, seinem Kollegen im Streifenwagen Beihilfe zum Totschlag. Die Beamten wurden in Untersuchungshaft genommen.

Nach Darstellung von Augenzeugen soll es nur zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen den Autonomen und der Besatzung des Streifenwagens gekommen sein. Anschließend habe der Polizist direkt in die Richtung des Jungen geschossen. "Es war kaltblütiger Mord", meinte ein Augenzeuge im Radio. Der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias übte indirekt Kritik an dem Vorgehen der Polizei. Die Rechtstaatlichkeit sei durch diese Ereignisse verletzt worden.

Einer der Anwälte des Polizisten trat am Montag zurück. Er lies verlauten, dass er einen "solchen Mandanten" aus Gewissensgründen nicht verteidigen könne. Über den mutmaßlichen Schützen wurde bekannt, dass er wegen seines harten Durchgreifens unter dem Spitznamen "Rambo" bekannt gewesen sei, berichtete der griechische Rundfunk.

Griechisches Konsulat in Berlin besetzt

Das griechische Konsulat in Berlin ist am Montagmorgen von Demonstranten besetzt worden, die gegen den Tod eines 15-Jährigen durch eine Polizeikugel in Athen protestieren wollen. Rund 15 Personen seien in den Empfangsbereich des Gebäudes am Wittenbergplatz eingedrungen, sagte der Sprecher der griechischen Botschaft, Pantelis Pantelouris, der dpa.

Eine der Besetzerinnen sagte, mit der Aktion werde gegen den griechischen Staat protestiert, der verantwortlich für den Tod des Jugendlichen sei. Laut Polizei laufen Gespräche mit den Besetzern in dem Konsulat.

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