Ärzte Zeitung online, 08.12.2008

Irisches Schweinefleisch in Deutschland - Bund: Keine akute Gefahr

BERLIN (dpa). Irisches Schweinefleisch mit möglicher Dioxin- Belastung ist seit September auch nach Deutschland gelangt. Die Bundesregierung sieht aber keine akute Gesundheitsgefahr. "Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung gibt es derzeit keine Gefährdung für Verbraucher", sagte die Sprecherin des Bundesverbraucherministeriums, Ulrike Hinrichs, am Montag in Berlin.

Im fraglichen Zeitraum seit dem 1. September seien rund 2000 Tonnen irisches Schweinefleisch nach Deutschland gekommen. Das Fleisch ging an vier Betriebe in Nordrhein-Westfalen (NRW) und zwei Betriebe in Schleswig-Holstein, teilten Verbraucherschutzorganisationen in Berlin und Düsseldorf mit. CDU und Grüne forderten mehr Kontrollen.

Nach NRW kamen vermutlich ein Großteil des Schweinefleisches aus Irland. Betroffen sind nach Informationen der Landesanstalt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) vier Zerlegebetriebe oder Fleischverarbeiter in den Kreisen Borken (2), Gütersloh sowie im Rhein-Erft-Kreis. Die Liefermenge könnte noch steigen. Die Behörden in Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen, Mecklenburg- Vorpommern, Rheinland-Pfalz und Thüringen teilten mit, bisher seien keine Lieferungen mit möglicherweise verseuchtem Fleisch dorthin gelangt.

Nach Informationen des nordrhein-westfälischen Kreises Borken, in dem zwei Fleisch-Zerlegebetriebe betroffen sind, wurden seit 1. September allein 1400 Tonnen aus Irland geliefert. Ob das Fleisch auch in die Regale des Handels gelangte, ist nicht geklärt. Deutschlands größter Schweineschlachtbetrieb Tönnies aus Rheda- Wiedenbrück teilte mit, im fraglichen Zeitraum seien rund 460 Tonnen Schweinefleisch aus Irland zerlegt und an Fleischwarenproduzenten geliefert worden. Bei eigenen Produkten, die direkt in den Einzelhandel gelangten, sei kein irisches Fleisch verarbeitet worden.

Bei dem Schweinefleisch aus Irland, das nach Deutschland gelangte, handelt es sich nach Angaben des Bundesverbraucherministeriums um Schweinehälften oder Teilstücke, nicht um verarbeitetes Fleisch wie Würste.

Fleisch mit dem QS-Prüfzeichen ist nach Angaben der Qualität und Sicherheit GmbH nicht belastet. Die Quelle der Verunreinigung ist nach ersten Erkenntnissen der Behörden ein Tierfutter-Hersteller aus dem Südosten Irlands. Nach Einschätzung der irischen Behörden müssen bis zu 100 000 Schweine notgeschlachtet werden. Lebensmittel im Schätzwert von 125 Millionen Euro müssen zudem in Irland und im Ausland vernichtet werden.

Irland hatte das Schweinefleisch zurückgerufen, nachdem in Schlachtfleisch einiger Betriebe überhöhte Werte des dioxinähnlichen Gemischs PCB (Polychlorierte Biphenyle) festgestellt worden waren. Dioxin ist krebserregend. Nach Angaben der irischen Lebensmittelschutzbehörde FSAI tauchte belastetes Fleisch bereits in den Niederlanden, Frankreich und Belgien auf. Bulgarien stellte 60 Tonnen Schweinefleisch aus Irland sicher und prüft dieses. Verseuchtes irisches Fleisch kann nach Schätzungen der Behörden in bis zu 25 Länder geliefert worden sein.

Die CDU-Verbraucherpolitikerin Julia Klöckner forderte mehr Kontrollen. "Wir brauchen mehr Personal, damit nichts mehr durchs Raster fällt", sagte sie der "Rheinischen Post" (Dienstagsausgabe). Grünen- Fraktionsvize Bärbel Höhn verlangte engmaschigere Kontrollen. NRW hatte angekündigt, von 2009 an mehr Kontrolleure einzusetzen. Der FDP-Agrarpolitiker Hans-Michael Goldmann rief Behörden und Wirtschaft auf, irisches Schweinefleisch schnellstens aus dem Verkehr zu ziehen.

Bundesweit wurden von Januar bis Ende September nach Angaben des Statistischen Bundesamts rund 10 600 Tonnen Schweinefleisch von der grünen Insel importiert. Das ist nur ein kleiner Teil des Gesamtverbrauchs in Deutschland, der im vergangenen Jahr bei fast 4,6 Millionen Tonnen Schweinefleisch lag.

Mit Dioxin verseuchtes Tierfutter wurde in Irland nach Angaben der EU-Kommission außer an Schweinehalter auch an Rinderzüchter geliefert. Es werde untersucht, ob das Rindfleisch inakzeptable Dioxin-Werte enthalte. Das sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, da für die Fütterung von Kühen weit weniger Mischfutter verwendet werde als bei Schweinen.

Was Verbraucher beachten sollten:

Wie groß ist die Gesundheitsgefahr?

Bisher wurde in Deutschland kein irisches Schweinefleisch entdeckt, das einen überhöhten Gehalt an Dioxin beziehungsweise dem Dioxin-ähnlichen Gemisch PCB (Polychlorierte Biphenyle) aufweist.

Besteht eine Gefahr, wenn tatsächlich Dioxin gefunden wird?

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sowie das Bundesinstitut für Risikobewertung sehen keine akute Gefahr. Gesundheitliche Beeinträchtigungen bei länger andauernder Aufnahme von Schweinefleischprodukten, die PCB enthalten, können die Behörden aber nicht ausschließen. Dioxin gilt als krebserregend.

Wie kann ich Schweinefleisch aus Irland erkennen?

Bei Schweinefleisch ist nur der letzte Betrieb in der Kette auf dem Produkt vermerkt, also zum Beispiel der Zerlegebetrieb des Koteletts. Rindfleisch ist im Gegensatz dazu besser rückverfolgbar.

Welches Fleisch ist sicher?

Das Schweinefleisch, das im Einzelhandel ein QS-Prüfzeichen trägt, ist nach Angaben der QS Qualität und Sicherheit GmbH sicher. Über das Prüfsystem werde kein irisches Schweine- und Rindfleisch verarbeitet oder vermarktet, auch würden keine irischen Futtermittel eingesetzt.

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